Von vielen Siegern und einigen Verlierern berichtet die Sonderausstellung „Fußballfieber“ im Landesmuseum Mainz. Die Schau ist zur Einstimmung auf und womöglich auch ein bisschen zur Ablenkung während der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 gedacht, die vom 11. Juni bis zum 19. Juli in Kanada, Mexiko und Nordamerika ausgetragen werden soll.
Ein wenig Regelkunde – etwa dazu, was genau „passives Abseits“ ist – gehört selbstredend dazu, wenn man sich einer Sportart zuwenden möchte, die auf der ganzen Welt und Woche für Woche dazu führt, dass ganz normale Menschen „ausflippen“: weil gerade ein Tor gefallen ist – oder eben nicht. Den oft und gerne gescholtenen Schiedsrichtern kommt in solchen Situationen die entscheidende Rolle zu. Ebendeshalb wurde den Unparteiischen wie dem früheren FIFA-Referee Markus Merk in der als Familienausstellung konzipierten Sonderschau eine eigene Ecke eingeräumt. Dort werden bis Mitte November nicht nur Gelbe und Rote Karten, sondern auch unvergessliche Original-Schiri-Notizzettel von und zu herausragenden Spielen präsentiert.
Landeskinder als Lichtgestalten
Im Landesmuseum stehen durchweg namhafte Landeskinder wie der aus Kaiserslautern stammende Zahnmediziner Merk im Mittelpunkt. Dazu gehören außerdem der vielen als „Walz aus de Palz“ bekannte Europameister und Vizeweltmeister Hans-Peter Briegel und die Mainzer Lichtgestalt Jürgen Klopp, der die „Nullfünfer“ am 23. Mai 2004 sensationell und ein bisschen unerwartet in die Erste Fußball-Bundesliga geführt hat. Nachdem der 1. FSV Mainz 05 auf dem Weg dorthin zuvor dreimal zum Teil denkbar knapp gescheitert war.
Zu den „Verlierern“ des ersten Bundesligaaufstiegs gehörte seinerzeit zweifellos der Stürmer Michael Thurk: Mit seinen beiden Treffern gegen Eintracht Trier war er damals zwar maßgeblich am Erfolg beteiligt. Als „tragischer Held“ musste er nach dem Abpfiff jedoch direkt zu Energie Cottbus wechseln, wo er schon Monate zuvor einen neuen Vertrag als Spieler unterschrieben hatte.

Nach schwieriger Hinrunde und schwerer Verletzung kehrte der verlorene Sohn allerdings schon in der darauffolgenden Winterpause zurück an den Rhein, wo er dann doch noch eine gute Zeit haben sollte. Genau dafür, so heißt es, soll er gar dazu bereit gewesen sein, zur Not einen Teil der fälligen Ablösesumme selbst an Cottbus zu überweisen. Was ihm letztlich aber erspart geblieben ist. Heute erinnern im Landesmuseum seine alten Fußballtreter vom 3:0-Aufstieg gegen Trier an einen seiner stärksten Auftritte im Mainzer Trikot.
Noch „größere Schuhe“, nämlich ein nachträglich bronziertes Unikat des Fußball-Weltmeisters Fritz Walter, haben es gleichfalls in eine der Vitrinen geschafft; übrigens ebenso wie eine Original-Eintrittskarte für das WM-Finale von 1954 im Berner Wankdorf-Stadion.
Geschichte und Geschichten rund um den Fußball werden in der durchs ganze Land wandernden Sonderausstellung, die von Kuratorin Johanna Weiler an die Mainzer Verhältnisse angepasst wurde, nicht nur mithilfe von Pokalen, Trikots und allerlei Fanartikeln, sondern auch an mehreren interaktiven Ausstellungsstationen vermittelt. So erfahren die Besucher unter anderem, was es eigentlich mit dem „Fritz-Walter-Wetter“ auf sich hat. Wer genau und wo überall der 2019 verstorbene Rudi Gutendorf war.
Oder warum das erste offizielle Finale um die Deutsche Fußball-Meisterschaft der Frauen 1974 ausgerechnet im Mainzer Bruchweg-Stadion angepfiffen worden ist. Gewonnen hat damals übrigens die Mannschaft des TuS Wörrstadt: mit 4 zu 0 gegen die DJK Eintracht Erle. Was bis heute der einzige überregionale Titel der aktuell in der Verbandsliga kickenden Rheinhessinnen geblieben ist.
