Die Kunstmarktflaute fordert nun auch in Österreich die ersten Opfer. Kaum hatten die dortigen Galerien bei der selbst organisierten Messe Astoria Artshow die Zukunftsfähigkeit der Kunsthandelsstadt Wien und ihre kollegiale Einigkeit beschworen, wurden Standortaufgaben und Schließungen bekannt.
Die Züricher Galerie Presenhuber erklärte, ihre vor fünf Jahren in Wien eröffnete Filiale habe die kommerziellen Erwartungen nicht erfüllt. Auch Christian Siekmeier sperrt seine ursprünglich in Berlin gegründete Exile Gallery genau 18 Jahre nach ihrer Eröffnung am 17. Oktober zu. Und Emanuel Layr, einer der international wichtigsten Wiener Player, will seine Arbeit in einer neuen Form fortsetzen. „Für mich stimmt der Risk-Fun-Faktor nicht mehr“, sagte er der F.A.Z. Für das riesige Marktangebot gebe es schlicht zu wenig Kaufkraft. In letzter Zeit bekäme er ständig Listen von Kunstwerken, die abgestoßen werden sollten.
Zu schnell zu teuer geworden?
Als einen der Gründe für die Schieflage sieht Layr auch ein von „Mikro-Bubbles“ verzerrtes Bild: Zu junge Künstler seien zu schnell zu teuer geworden. Das habe ernst zu nehmende Sammler verschreckt, während renditeorientierte Käufer in andere Investitionsfelder abwanderten. Mittelgroße Unternehmen wie seine würden in der heutigen „Kunstindustrie“ zerrieben. Nach seiner Teilnahme an der Art Basel Paris und der Artissima in Turin möchte Layr ein neues Geschäftsmodell erproben. Ihm schwebt eine Art Salon oder Plattform nach dem Vorbild des Basel Social Club vor, mit Projektarbeit anstatt ständiger Ausstellungen und teurer Messen. „Der klassische Kunsthandel ist etwas sehr Schönes und Direktes, wenn man damit verantwortungsvoll umgeht und die eigene Leidenschaft involviert“, sagte der Galerist im Magazin „Monopol“.

Dass Galerien neben dem eigenen Programm auch im Sekundärmarkt tätig sind, wird in Österreich nur äußerst ungern angesprochen. Für viele ist dieser Handel jedoch überlebenswichtig. Schon in guten Zeiten hieß es, Österreich habe zu wenige Sammler und die Galerien erwirtschafteten den Großteil ihres Umsatzes im Ausland. Aus diesem Grund existiert sogar eine staatliche Messeförderung. Aber nun verschärft der Generationenwechsel die Lage weiter, denn die älteren Sammler hören langsam auf zu erwerben, und zu wenig neue rücken nach.
Event ja, Kauf eher nein
Das betrifft auch die 2017 gegründete Galerie Zeller van Almsick, die nach dem Festival „Curated by“ zusperrt. „Alle wollen die Kunst sehen, den sozialen Event genießen, aber sie drücken diese Wertschätzung nicht monetär aus“, kritisiert Cornelis van Almsick. Da schließe er lieber jetzt, als Schulden anzuhäufen.
Auch kulturpolitisch bleibt die Szene auf sich selbst gestellt. Während der Mehrwertsteuersatz auf Kunst in Deutschland den Möglichkeiten im EU-Recht entsprechend auf sieben und in Italien auf fünf Prozent gesenkt wurde, hält Österreich an 13 Prozent fest. Zugleich schwächelt das Engagement von Unternehmen für die Kunst: Corporate Collecting ist stark zurückgegangen. Tut sich in Wien eine Kluft zwischen Schein und Sein auf? Die zeitgenössische Kunstszene wirkt so prominent wie selten zuvor, aber Sichtbarkeit allein trägt noch keine Galerien.
