Der ChatGPT-Entwickler OpenAI hat wegen der sich zuspitzenden Debatte über die Gefahren von künstlicher Intelligenz (KI) seine Börsenpläne für dieses Jahr abgesagt. Es wäre angesichts der aktuellen Sicherheitsbedenken ein schlechter Zeitpunkt für einen Börsengang, sagte Altman dem Magazin Fortune. »Man wäre schlecht beraten, genau jetzt an die Börse zu gehen«, sagte Altman. Es gebe noch viel zu tun, um Sicherheitsanforderungen zu erfüllen und herauszufinden, wie die Branche und Regierungen zusammenarbeiten könnten.
Bereits im Juni hatte die New York Times berichtet, dass OpenAI erwäge, einen möglichen Börsengang auf das Jahr 2027 zu verschieben. Auf die Nachfrage von Fortune, ob das Unternehmen auch im kommenden Jahr auf einen Börsengang verzichten könnte, erwiderte Altman: »Ich würde sagen, nicht 2026.«
Altman deutet möglichen Branchenkodex an
ChatGPT löste vor mehreren Jahren den aktuellen Hype um künstliche Intelligenz aus. Seit Wochen mehren sich aber die Sorgen um die Risiken der Technologie, nachdem sich Berichte über verselbstständigte KI-Agenten gehäuft hatten. Die Chefs der wichtigsten KI-Konzern warnen inzwischen selbst vor den Gefahren von KI für die Menschheit. Führende Forscher sind zudem aus Protest gegen die in ihren Augen unkontrollierte Geschwindigkeit der Entwicklung zurückgetreten.
Altman deutete in dem Interview an, dass führende KI-Unternehmen kurz vor einer Vereinbarung stehen könnten, um die Entwicklung der Technologie zu verlangsamen und Risiken zu mindern. Auch der Chef des konkurrierenden KI-Entwicklers Anthropic, Dario Amodei, hatte zuvor ein bedachteres Vorgehen bei der Entwicklung von KI.
OpenAI hatte im Juni nach seinem KI-Konkurrenten Anthropic eine Platzierung am Aktienmarkt bei der Börsenaufsicht SEC angemeldet. Dabei soll der ChatGPT-Entwickler laut Berichten eine Bewertung von bis zu einer Billion US-Dollar (rund 867 Milliarden Euro) angestrebt haben.
Angst vor Auslöschung der Menschheit
Vor allem eine ungeplante Cyberattacke von KI-Software der Firma Anthropic hatte Ängste geschürt. In einem neuen Bedrohungsbericht beschreibt Anthropic, wie verschiedene Akteure die Claude-KI-Modelle des Unternehmens für illegale Aktivitäten genutzt haben – von Überwachung und Betrug bis hin zu Cyberoperationen und der Entwicklung von Biowaffen.
Zugleich trat der Anthropic-Forscher Jacob Coxon zurück und teilte mit,
dass die »KI-Entwickler ernsthaft glauben, dass die KI uns alle bis zum Ende des Jahrzehnts töten könnte«. Laut Coxon handeln die großen Entwickler Künstlicher Intelligenz unverantwortlich »und spielen mit unseren Leben«. Der Anthropic-Forscher Evan Hubinger schrieb auf der Online-Plattform X, er persönlich denke, die Gefahr, dass KI die Menschheit töte, liege im kommenden Jahrzehnt bei mehr als zehn Prozent.
