
Vor einer Fehlplanung beim geplanten Neubau der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) hat am Donnerstag die Bürgerinitiative „Kulturcampus 2.0“ gewarnt. Eine Aufteilung der Hochschule auf drei Standorte rund um die Bockenheimer Warte sei nicht nur funktional und finanziell nachteilig, sagte der frühere Planungsdezernent Martin Wentz. Es sei auf den vorgesehenen Grundstücken nicht genügend Platz, um das nötige Raumprogramm unterzubringen.
Nach den Plänen von Stadt und Land entfallen 70 Prozent der Fläche auf einen Baukörper südlich der Bockenheimer Landstraße; die übrigen Räume sollen in zwei kleineren Gebäuden neben dem Bockenheimer Depot und neben der früheren Dondorf-Druckerei entstehen.
Wentz, der seit seinem Ausscheiden aus der Politik ein Planungsbüro betreibt, hat einen Testentwurf erstellt, um herauszufinden, wie die von der Hochschule benötigten Räume am besten platziert werden könnten. Dabei habe sich herausgestellt, dass die drei benötigten Aufführungssäle nur dann effizient um ein gemeinsames Foyer herum gruppiert werden könnten, wenn das Gebäude südlich der Bockenheimer Landstraße größer wird als vorgesehen. Bleibt es bei der Planung von Stadt und Land, müsste ein Saal neben der ehemaligen Dondorf-Druckerei gebaut werden, was nach Einschätzung von Wentz ein zusätzliches Foyer erforderlich macht, die Kosten erhöht und Platzprobleme verursacht.
Eine funktionale und kostengünstige Lösung sei nur möglich, wenn das benachbarte Juridicum abgerissen und das Grundstück dem Hochschulneubau zugeschlagen wird. Dafür plädiert die Bürgerinitiative schon seit Längerem; was mit der Hochhausscheibe passiert, will die Stadt bis zum Herbst in Workshops klären.
Stopp für Architektenwettbewerb gefordert
Der hessische Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) hat allerdings schon bekräftigt, dass es unabhängig vom Schicksal des Juridicums bei der bisherigen Planung für die Hochschule bleibt. Ein Architektenwettbewerb wird dafür bereits vorbereitet. „Wir fordern, diesen zu stoppen“, sagte Edgar Wallach, Mitglied der Bürgerinitiative, die hofft, dass es unter einer neuen Stadtregierung zu einem Umdenken kommt. CDU, FDP und Volt sprechen sich für einen Abriss des Juridicums zugunsten der Hochschule aus.
Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD) lehnte die Vorschläge der Bürgerinitiative bisher immer ab. Als Argument führte er unter anderem an, dass die Aufteilung auf drei Standorte mit der Hochschule abgestimmt sei. Aus einer 2024 verfassten Stellungnahme, die der F.A.Z. vorliegt, geht allerdings hervor, dass die Hochschule nur einen „ungeteilten und in einer Bauphase errichteten Neubau“ für zukunftsfähig hält. Deshalb favorisierte die HfMDK damals einen Neubau auf dem Gelände des Hessischen Rundfunks.
Die Variante am Dornbusch schnitt in einer vergleichenden Bewertung deutlich besser ab als die Lösung mit drei Standorten auf dem Kulturcampus. Diese schränke den Hochschulbetrieb stark ein und führe zu höheren Kosten, heißt es in der Stellungnahme. Im Nordosten des HR-Geländes hingegen könnte ein integrierter Campus entstehen; auch seien für die Studenten die Wege zum Campus Westend der Goethe-Universität kurz. Die Stadt lehnte diesen Vorschlag ab.
Eine Lösung, die einen ungeteilten Neubau für die Hochschule in Bockenheim und gleichzeitig den Erhalt des Juridicums ermöglichen würde, hat die Architektin Astrid Wuttke vom Büro Schneider + Schumacher ins Gespräch gebracht. Ihrem Vorschlag zufolge würde der Baukörper der Hochschule an der Bockenheimer Landstraße weiter nach Westen reichen. Wentz hält davon nichts. „Das würde in geplante Grünflächen eingreifen, eine Änderung des Bebauungsplans würde in diesem Fall fünf Jahre dauern.“
