Unionsfraktionschef Jens Spahn hat die von der Koalition geplanten Verschärfungen bei Krankschreibungen im Job verteidigt. »Diejenigen, die wirklich krank sind, die sollen natürlich auch zu Hause bleiben können«, sagte der CDU-Politiker im ARD-»Morgenmagazin«. »Aber die Frage stellt sich schon, ob die Deutschen so viel kränker sind tatsächlich als die anderen in Europa. Und deshalb braucht es da Maßnahmen.«
Die Koalition hatte sich darauf geeinigt, die verpflichtende Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Tag der Erkrankung gesetzlich vorzuschreiben. Außerdem soll die Möglichkeit, sich telefonisch auch ohne Praxisbesuch krankschreiben zu lassen, abgeschafft werden. Ärzte und Gewerkschaften kritisierten die Pläne und warnten vor überfüllten Praxen und einem hohen bürokratischen Aufwand.
»Man sitzt auf der Bettkante und überlegt: Passt das heute?«
Spahn sagte, jeder kenne doch »in seinem wahren Leben«, im Bekannten- oder Freundeskreis, in der Nachbarschaft, vielleicht auf der Arbeit, immer wieder auch die Situation, insbesondere montags und freitags, wenn es sogenannte Bettkantenentscheidungen gebe. »Man sitzt auf der Bettkante und überlegt: Passt das heute?« Wer tatsächlich krank sei, der müsse nicht ins Wartezimmer. »Es gibt auch Videosprechstunden, die man mit dem Arzt dann haben kann. Wer aber tatsächlich vielleicht an dem jeweiligen Morgen nicht wirklich krank ist, aber noch überlegt, ob er hingehen sollte, der entscheidet sich dann im Zweifel vielleicht doch fürs Arbeiten. Das ist auch fairer gegenüber den Kollegen.«
Auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat das Reformpaket der
Regierungskoalition gegen Kritik verteidigt. »Das ist ein guter,
ausgewogener politischer Kompromiss, der da gestern gelungen
ist«, sagte Klingbeil im ZDF. Mit diesem Kompromiss habe die SPD die Einführung
von unbezahlten Karenztagen verhindert. Zugleich betonte der SPD-Ko-Vorsitzende: »Ich will auch nicht, dass
Menschen sich krank zur Arbeit schleppen. Ich will auch, dass die Ärzte
vernünftig ihren Job machen können. Und deswegen muss man jetzt
vernünftige Regelung finden.«
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