»Es kennzeichnet die Deutschen, dass bei ihnen die Frage ›Was ist
deutsch?‹ niemals ausstirbt.« So schrieb es Friedrich Nietzsche im Jahr 1886 in
seinem Buch Jenseits von Gut und Böse. Auch in den 150 Jahren seither ist die
Frage nicht abschließend beantwortet worden. Gerade in unserer Gegenwart machen
sich viele Menschen wieder Gedanken darüber, was eigentlich
deutsch ist und was nicht oder was undeutsch ist oder halb deutsch oder
nicht-gut-genug-deutsch, allen voran die Kulturpolitiker der AfD.
Ins
Schlaglicht des Wie-deutsch-ist-es-Debatten-Ernstfalls ist zuletzt insbesondere
das Bauhaus in Dessau geraten. Dessau liegt in Sachsen-Anhalt, dort wird in
einer Woche ein neuer Landtag gewählt, und die AfD hat in ihrem Wahlprogramm
unter der Ägide ihres designierten Kulturministers Hans-Thomas Tillschneider
das Bauhaus und die dazugehörige Ästhetik zum
bevorzugten Feindbild erklärt, zu einem »Irrweg der Moderne«, welcher »das
menschliche Bedürfnis nach Behaglichkeit vergewaltigt« habe. Für die AfD ist
das Bauhaus mit seinen sachlichen, klaren, reduzierten Formen der Inbegriff des
Undeutschen.
