Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko nach Korruptionsvorwürfen entlassen. Bei Krawtschenko bleibe »nur ein Ausweg: die Entlassung«, teilte Selenskyj im Onlinedienst Telegram mit. Der Generalstaatsanwalt hatte bereits vergangene Woche seinen Rücktritt angekündigt, nachdem Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit betrügerischen Callcentern bekanntgeworden waren.
Krawtschenko, der die Vorwürfe in seiner Rücktrittserklärung als »durch nichts belegt« bezeichnet hatte, teilte im Onlinedienst Telegram mit, er befinde sich inzwischen im Ausland. Er wolle die internationalen Partner der Ukraine über »die tatsächliche Lage innerhalb der Antikorruptionsbehörden« sowie über »Anzeichen einer unkontrollierten Konzentration von Einfluss durch sie« informieren.
Zugleich gab Krawtschenko bekannt, Strafanzeige gegen den Direktor der ukrainischen Antikorruptionsbehörde Nabu, Semjon Krywonos, gestellt zu haben. Der Generalstaatsanwalt warf Krywonos vor, »amtliche Dokumente gefälscht« zu haben.
Geldwäschenetzwerk soll Vermögen in Millionenhöhe geaschen haben
Vor knapp einer Woche hatten die Antikorruptionsbehörde Nabu und eine Spezialstaatsanwaltschaft mitgeteilt, ein Geldwäschenetzwerk aufgedeckt zu haben, das »von einem Verantwortlichen im Büro des Generalstaatsanwalts geführt« worden sei. Den Ermittlern zufolge erhielt das Netzwerk Geld, um betrügerische Callcenter zu schützen. Es seien »Vermögen in Millionenhöhe« gewaschen worden. Mit den Bestechungsgeldern wurden demnach Immobilien, Schmuck und andere Wertgegenstände bezahlt.
Nach Schätzungen der Schweizer Organisation Global Initiative Against Transnational Organized Crime beschäftigen illegale Callcenter in der Ukraine fast 60.000 Menschen und erwirtschaften im Monat bis zu eine Milliarde US-Dollar (860 Millionen Euro).
In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Korruptionsskandale in der Ukraine bekanntgeworden, auch im direkten Umfeld Selenskyjs. Sein früherer Bürochef Andrij Jermak trat im November wegen Ermittlungen zu Korruption im Energiesektor zurück. Korruption ist seit langer Zeit ein Problem in der Ukraine. Ihre wirksame Bekämpfung gilt als wichtige Voraussetzung für einen Beitritt des Landes zur Europäischen Union.
