Der mutmaßliche Täter wird nach dem Angriff auf das Korrespondentendinner angeklagt. Ihm wird versuchter Mord am US-Präsidenten vorgeworfen. Was wir über den Mann wissen.
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© Daniel Cole/Reuters
Nach den Schüssen beim Korrespondentendinner in Washington, D. C. ist der mutmaßliche Täter unter anderem wegen versuchten Mordes an einem US-Präsidenten angeklagt worden. Ermittler gehen nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass Regierungsmitglieder Ziel des Angriffs waren. Medien berichten von einem Manifest, das der Schütze vor seiner Tat verfasst haben soll. Vieles war zunächst unklar: Wer ist der Festgenommene? Welches Motiv hatte er? Was wir über den mutmaßlichen Angreifer wissen.
Wer ist der mutmaßliche Täter?
Bei dem mutmaßlichen Schützen während des Korrespondentendinners mit US-Präsident Donald Trump in Washington, D. C. soll es sich laut übereinstimmenden Medienberichten um einen
31-Jährigen aus Südkalifornien handeln. Er soll in Torrance wohnen, einem
Vorort südwestlich von Los Angeles. Der Mann soll als Lehrer und Entwickler für
Videospiele gearbeitet haben, hieß es in Medienberichten unter Berufung auf sein mutmaßliches LinkedIn-Profil.
In der Nacht zum Sonntag (Ortszeit) durchsuchte
die Bundespolizei FBI das Haus des Verdächtigen. Die Ermittler hätten auf der Suche nach einem Motiv die elektronischen Geräte des 31-Jährigen untersucht sowie Personen aus seinem Umfeld befragt, teilte Generalstaatsanwalt Todd Blanche laut New York Times in der NBC-Sendung Meet the Press mit.
Der Verdächtige soll sich nach Angaben der Polizei als Gast im Hilton Hotel, in dem das Dinner stattfand,
aufgehalten haben. Er war demnach mit Messern, einer Schrotflinte und einer Handfeuerwaffe bewaffnet. Die Behörden gehen davon aus, dass der mutmaßliche Täter allein gehandelt hat.
Was ist passiert?
Während der ersten Teilnahme von US-Präsident Trump beim jährlichen White House Correspondents’ Dinner waren um etwa 20.35 Uhr
(Ortszeit) plötzlich mehrere laute Knallgeräusche zu hören. Dass es sich
dabei um Schüsse handelte, wurde erst im Nachhinein klar. Im Saal des Hilton Hotel in Washington brach
daraufhin Chaos aus.
Die Schüsse fielen in einem Kontrollbereich außerhalb des Festsaals, in dem sich Trump, seine Ehefrau Melania und mehrere
Mitglieder des Trump-Kabinetts befanden. Alle Regierungsmitglieder, darunter neben Trump auch Vizepräsident JD Vance, Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth, sowie alle anderen Gäste wurden nicht verletzt. Ein Sicherheitsbeamter wurde von Schüssen getroffen, er überlebte aufgrund seiner kugelsicheren Weste.
Was wirft die Staatsanwaltschaft dem Verdächtigen vor?
Nach Angaben des Präsidenten und der Sicherheitsbehörden stürmte der
Angreifer durch die Sicherheitsschleuse im Vorraum des Hotels. Noch vor Ort sei er dann von Sicherheitsbeamten überwältigt und
festgenommen worden.
Bei einer ersten Anhörung am Montag gab der zuständige Richter dann bekannt, gegen den Mann werde die Anklage des versuchten Mordes an US-Präsident Donald Trump erhoben. Zudem muss er sich wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft forderte, den 31-Jährigen in Gewahrsam zu behalten. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Weitere Anklagepunkte könnten im Laufe der Ermittlungen folgen, hieß es vonseiten der Staatsanwaltschaft.
Eine weitere Anhörung soll am Donnerstag folgen. Am Montag sprach der Verdächtige kurz vor Gericht erstmals kurz, äußerte sich aber nicht zu der Tat selbst.
Wie plante der Schütze den Angriff?
Zu der Gala in Washington, D. C. sei der mutmaßliche Täter mit dem Zug aus Los Angeles angereist, teilte Blanche im Sender NBC mit. Demnach habe der Verdächtige ein oder zwei Tage vor der Tat in das Washington-Hilton-Hotel eingecheckt, in dem die Gala stattfand. Um ins Hotel zu kommen, mussten Gäste noch keine Sicherheitsschleuse
passieren. Erst wenn sie in den Ballsaal wollten, wurden sie durch eine Schleuse geführt und ihre Taschen
kontrolliert.
Kurz vor dem Angriff soll der mutmaßliche Täter Nachrichten an seine Angehörigen verschickt haben, in denen er Kritik an der Trump-Regierung äußerte und seinen Plan andeutete. Das geht laut der New York Times aus Ermittlerkreisen hervor. Auch in schriftlichen Unterlagen, die in seinem Hotelzimmer gefunden wurden, seien ähnliche Äußerungen enthalten gewesen. Dabei handelt es sich offenbar um ein Manifest.
Der Verdächtige selbst soll sich laut Medienberichten in dem Manifest über die lockeren Sicherheitsstandards gewundert haben. Nach dem Vorfall steht der Secret Service in der Kritik. Indem er sich in den Tagen vor der
Veranstaltung als regulärer Gast in dem Hotel einmietete, konnte der Schütze offenbar die äußeren Sicherheitskontrollen umgehen. Zudem verlief die
Evakuierung des Saals mit den anwesenden Regierungsmitgliedern teilweise
unkoordiniert. Während Trump nach etwa 30 Sekunden von der Bühne
gebracht wurde, dauerte es bei einigen Ministern rund 150
Sekunden, bis sie den Saal verlassen konnten.
Was ist zum Motiv bekannt?
Nach den ersten Erkenntnissen der Ermittler habe der Mann ein Attentat
auf »Mitglieder der Regierung« verüben wollen, sagte der amtierende
Justizminister Blanche am Tag nach dem Angriff auf das alljährliche Dinner der White-House-Korrespondenten. Trump selbst gab an, nach seinem Eindruck habe der Mann einen Angriff auf ihn verüben wollen.
In einem Interview mit Fox News sagte der US-Präsident, der mutmaßliche Schütze wirke wie ein »gestörter Typ«, wenn man sein
Manifest lese. Blanches Angaben über die Ziele des Angreifers decken sich mit Medienberichten über das
Manifest. Demnach schrieb der Angreifer in seinem gut
1.000 Worte langen Schriftstück: »Regierungsvertreter (mit Ausnahme von
Herrn Patel): Sie sind Ziele, priorisiert vom ranghöchsten bis zum
rangniedrigsten.« Mit »Herrn Patel« ist vermutlich FBI-Direktor Kash
Patel gemeint – unklar sei, warum dieser ausdrücklich ausgenommen werde. Trump werde im Dokument indessen an keiner Stelle namentlich erwähnt.
Dem US-Präsidenten zufolge handelt es sich um ein antichristliches Manifest. »Wenn man sein Manifest liest, merkt man, dass er Christen hasst. Das steht fest, er hasst Christen«, sagte Trump bei Fox News, ohne dafür konkrete Belege vorzulegen. Auch Blanche machte dazu keine Angaben. Wie der Sender CNN berichtete, entschuldigte sich der mutmaßliche Schütze in der Nachricht an seine Angehörigen. Auch habe er in dem Schreiben argumentiert, dass seine Tat mit christlichen Werten vereinbar sei.
Wie hat der US-Präsident auf den Angriff reagiert?
Kurz nach dem Vorfall hatte Trump die Sicherheitskräfte vor Ort zunächst gelobt. Sie hätten schnell und mutig gehandelt.
Während einer anschließenden Pressekonferenz sagte Trump, es handele
sich »nicht um ein besonders sicheres Gebäude«. Das Hotel war vor 45
Jahren schon Schauplatz eines Attentatsversuchs auf den damaligen
Präsidenten Ronald Reagan.
Auch Trump war mehrfach das Ziel von Attentatsversuchen. Im Sommer 2024
überlebte der damalige Präsidentschaftskandidat nur knapp,
als ein Attentäter bei einer Wahlkampfveranstaltung in Butler im
Bundesstaat Pennsylvania auf ihn schoss. Eine Kugel verletzte ihn leicht
am Ohr. Ein Besucher starb, zwei wurden verletzt.
Das mutmaßliche Attentat fasste Trump als Bestätigung seiner Politik auf. »Wenn man viel bewegt, wird man
angegriffen«, gab er bereits kurz nach der Tat am Samstagabend an. Am Tag darauf verglich er sich in den sozialen Medien mit dem früheren Präsidenten Abraham Lincoln. Ohne
seine Zölle auf Importe und die hohen Militärausgaben wäre er
weniger gefährdet, sagte Trump.
Zugleich führte Trump den Angriff als Argument für
seinen geplanten 400 Millionen Dollar teuren Ballsaal an.
Dieser soll über einen Bunker, ein drohnensicheres Dach und
kugelsicheres Glas verfügen. Der Vorfall habe gezeigt, dass der Saal »gar nicht schnell genug fertiggestellt werden« könne, schrieb der US-Präsident auf seiner Onlineplattform. Justizminister Blanche teilte mit, sein
Ministerium werde einen Richter bitten, das laufende Verfahren
gegen das Bauprojekt abzuweisen.
Mit Material der Nachrichtenagenturen AFP, Reuters und dpa.
