
Kunst auf der Konstablerwache? Was ist in den vergangenen Wochen nicht alles bemäkelt worden an Janet Echelmans Skulptur „A Sky Full of Hope“, die vor wenigen Tagen über der Mitte des weiten Platzes installiert worden ist und vom 11. August an bei Dunkelheit leuchten wird: keine Kunst, zu teuer, bald nur noch Taubenklo.
Dabei ist die Konstablerwache, einer der prägenden Plätze Frankfurts, im Wesentlichen von den Loriot-Farben Steingrau, Mausgrau und Steinlausgrau geprägt. Eine ästhetische Aufwertung ist daher dringend geboten. Denn selbst wenn Loriots Familie seinen künstlerischen Nachlass nach Frankfurt gegeben hat, wo er zu gegebener Zeit in einer Dependance des Caricatura Museums für Komische Kunst gezeigt werden wird – Treue zum Werk des Komikers kann auch zu weit gehen. Grau ist kein Schicksal, Farbe erlaubt.
Seit der Installation von Netz, Tragseilen und Pfeilern hat der außerhalb der Markttage nur an seinen Rändern stark belebte Platz einen optischen Mittelpunkt, findet das Auge Halt in seiner leeren Mitte. Wenn das Gebilde aus Polymer und Licht noch deutlicher im Dunkel schimmert, wird dieser Effekt noch bemerkbarer sein, Passanten anziehen und bannen.
Was dem Frankfurter Einzelhandel nur recht sein kann. Er hat nicht nur an der Zeil noch immer Probleme. Da kann der Verteilerplatz an ihrem östlichen Ende ein Stück Stadtgespräch, zu dem bald viele für Fotos und Tiktok-Videos gerne hingehen, gut vertragen. Und wenn die Jugendlichen aus dem Umland, die sich die spätabendliche Zeil untertan gemacht haben, Konkurrenz durch eine ganz andere Sorte Publikum bekommen, das sich unter der warm glimmenden Skulptur versammelt, kann das Sicherheitskräften und Publikum nur recht sein. Vielleicht hört es dann sogar auf, die Zeil nach 20 Uhr zu meiden.
Mit „A Sky Full of Hope“ setzt Frankfurt auf einen Megatrend der Kunst des 20. Jahrhunderts: die Großskulptur im öffentlichen Raum. Von Alexander Calders Mobiles vor Geschäftshäusern und Verwaltungssitzen bis zu Jean Tinguelys kinetischen Skulpturen im Brunnen neben dem Pariser Centre Pompidou: Kunst soll nicht nur herumstehen, sondern in Bewegung geraten, eine Vielzahl von Sinneserfahrungen bieten, den Betrachtern Geschichten erzählen, sie zum Spinnen von Erzählungen anregen. Wenn all das die Wahrnehmung der Konstablerwache verändert, wäre das sehr zu loben.
