Konrad Abeltshauser hat in seiner Eishockeykarriere schon viele besondere Spiele erlebt. Während seiner zehn Jahre beim EHC Red Bull München wurde der Verteidiger viermal deutscher Meister. Da kommen einige Geschichten zusammen, die man später mal erzählen kann. Und irgendwo zwischen den vielen Titeln und Toren wird auch dieses Spiel vom Sonntag seinen ganz besonderen Platz haben.
Erstmals in seiner Karriere ist der 34-Jährige nach seinem Wechsel im Sommer zu den Löwen Frankfurt in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gegen seinen ehemaligen Klub angetreten. Und wie sein neues Team dort beim 4:1-Sieg aufgetreten war, entsprach der Spielweise des Abwehrhünen – kämpferisch, mit viel Einsatz und großer Lust am Verteidigen: Das ist Abeltshauser-Eishockey. „Es war schon sehr emotional“, sagte der Rückkehrer nach dem Wiedersehen: „Viel schöner hätte ich mir das erste Spiel nicht erträumen können.“
Mit Abeltshauser, hoffen die Löwen, so etwas wie ein fehlendes Puzzlestück verpflichtet zu haben. Und wer wissen will, warum das so ist, muss auf sein Vermächtnis in München schauen. „Das in Worte zu fassen, was Koni bei uns auf und neben dem Eis geleistet hat, ist praktisch unmöglich. Er war in jeder Situation ein echtes Vorbild für Alt und Jung“, sagte Münchens Manager Christian Winkler, als Abeltshauser ging: „Wir können ihm nur Danke sagen für zehn Jahre Ehrlichkeit, Leidenschaft und absolute Hingabe.“ Wer mit solchen Worten verabschiedet wird, hinterlässt eine Leerstelle. Und bringt etwas mit.
„Die sind schon eine Erscheinung, wenn sie in die Kabine kommen“
Es ist auffällig, dass die Löwen in den ersten vier Spielen vor allem mit den Qualitäten bestechen, für die Abeltshauser steht. Es läuft noch nicht alles rund. Das Team nimmt zum Beispiel zu viele Strafzeiten. Aber was den Einsatz angeht, war den Hessen bisher nie ein Vorwurf zu machen. Sie spielen strukturierter und mit einem großen Willen zum kollektiven Verteidigen. Nicht umsonst stellt das Team nach vier Spielen mit nur sieben Gegentoren die beste Defensive der Liga.
Das liegt natürlich nicht nur an Abeltshauser, sondern am gesamten Team. Doch der Führungsspieler hat seinen Anteil daran. Gemeinsam mit Björn Krupp, der ebenfalls nach Frankfurt gewechselt ist, bildet er eines der erfahrensten Verteidiger-Pärchen der DEL. „Die sind schon eine Erscheinung, wenn sie in die Kabine kommen, spielen schon sehr lange in der Liga“, sagt Teamkollege Daniel Pfaffengut: „Wenn die was sagen, wird das so gemacht.“
Abeltshauser ist aber niemand, der durch Rumbrüllerei auffällt. Im Gegenteil: „Ich bin keiner, der versucht, mit der Rute anzutreiben“, sagt der DEL-Verteidiger des Jahres 2017 der F.A.Z.: „Ich gehe gerne als gutes Beispiel voran, bin jemand, der auf und neben dem Eis viel arbeitet und versucht, die Jungs mit ein bisschen Witz mitzuziehen.“ Er will vor allem auch für die jungen Spieler da sein. Für den 21 Jahre alten Nico Pertuch zum Beispiel, der am Sonntag ein starkes Debüt im Frankfurter Tor gab. Oder für den 19 Jahre alten Timo Kose, der das 1:1 erzielte.
Was für ein Typ Abeltshauser ist, verdeutlichen ein paar Anektdoten aus seiner Münchner Zeit, von denen er einige jüngst im vereinseigenen Podcast der Löwen noch mal erzählt hat. Als eine Metalband mal einen Song über den EHC aufnehmen wollte, fragten sie beim Verteidiger an, ob der nicht Lust hätte, dabei zu sein. Abeltshauser sagte zu – und sang, obwohl er nach eigener Aussage nicht singen kann.
Nach der zweiten Meisterschaft kam ihm seine Medaille abhanden, als er mit Fans für Fotos posierte und sie das gute Stück umhängen ließ, um ihnen eine unvergessliche Erinnerung zu bescheren. Manchmal sei er vielleicht etwas zu gutgläubig, sagt Abeltshauser. All das erzählt er mit seinem urbayrischen Dialekt. Man kann sich gut vorstellen, warum er in München zu einer absoluten Identifikationsfigur und zum Publikumsliebling geworden ist.
Langfristige Perspektive in Frankfurt
Aufgewachsen ist Abeltshauser in der Nähe von Bad Tölz. Dort begann er mit dem Eishockey. Seine Eltern haben einen Bauernhof, vermieten noch heute Ferienwohnungen. Lange hielt es den Verteidiger jedoch nicht in der Heimat.
Mit 16 Jahren fasste er den Entschluss, nach Kanada wechseln zu wollen, um Profi zu werden. Abeltshauser lebte bei einer Gastfamilie, spielte vier Jahre in Halifax, ehe es ihn in die USA zog. Während seiner Zeit in Nordamerika lernte er seine Frau kennen, die mit ihm nach Deutschland kam, als er nach München wechselte. Zu den Löwen kam er im Sommer nicht, weil man ihn dort nicht mehr wollte. Es war die langfristige Perspektive, die Abeltshauser in Frankfurt sah und an den Main lockte.
Wie eng die Verbindung zum alten Klub noch ist, verdeutlichten seine Kontakte vor dem Spiel am Sonntag: 59 Tickets hatte der Verteidiger für Familie und Freunde organisiert – diesmal im Löwen-Block. Doch am liebsten wäre er noch einen Schritt weitergegangen. Wenn er sich das leisten könnte, hatte Abeltshauser vor der Begegnung gesagt, würde er eine ganze Runde Bier für das Stadion ausgegeben: „Aber dann spiele ich diese Saison umsonst.“
Einen größeren Plan in die Tat umgesetzt hat er am Sonntag trotzdem. Nach der Partie ging es für die Mannschaft in Tracht aufs Oktoberfest. Abeltshauser hat den Ausflug organisiert, hatte sich dafür das Okay vom Sportdirektor und vom Trainer geholt und im Anschluss alle Hände voll zu tun: „Ich hab erst mal versucht, denen zu sagen, wie man sich richtig anzieht.“
Schon in der Vorbereitung, verriet Pfaffengut neuerdings, sei von den Spielern mehr organisiert worden als in vergangenen Jahren, was den Stürmer glauben lässt, dass in Frankfurt etwas zusammenwächst, und gut ist für den Teamspirit, mit dem sich die Mannschaft auszeichnen will. So ein gemeinsamer Ausflug, sagt Abeltshauser, sei zwar vielleicht nicht ganz optimal für das Training am Dienstag, schweiße aber zusammen: „Es wird sicherlich die eine oder andere lustige Geschichte geben, die man immer wieder herausholen kann, wenn es mal schwieriger wird in der Saison.“
Vorzusorgen für schlechtere Zeiten, ist nie verkehrt. Doch klar ist auch: Spielen Abeltshauser und die Löwen so weiter, wird es davon womöglich gar nicht so viele geben.
