Als sich die Frankfurt Galaxy und die Munich Ravens am 15. August im Halbfinale der European Football Alliance (EFA) im Stadion am Bornheimer Hang gegenüberstanden, markierten sie einen Meilenstein: Sie trugen das erste K.-o.-Spiel der 2025 gegründeten Liga aus.
Auch das Ende August in Innsbruck ausgetragene Finale sieht Eric Reutemann, Geschäftsführer der Galaxy und ehemaliger CEO der EFA, mit einer starken Symbolik versehen. „Es ist der Beginn einer neuen Tradition im europäischen Football“, sagt er.
Denn hinter der ersten EFA-Saison steht der Versuch, den Football auf dem alten Kontinent strukturell und wirtschaftlich neu zu ordnen. Die Franchises sollen dadurch finanziell langfristig abgesichert werden. Gleichzeitig ist die Liga aber auch Ergebnis eines Zerwürfnisses: Parallel zu ihr arbeitet die American Football League Europe (AFLE) unter Joel Nagel und Moritz Heisler am gleichen Ziel.
Erst vor Kurzem setzte die EFA die vorläufige Gangart im Konkurrenzkampf fest: Unmittelbar vor dem Finalspiel der Post Season ernannte sie den ehemaligen deutschen NFL-Spieler Martin Kuhn zum neuen Präsidenten. Ausgestattet mit einem Dreijahresvertrag soll der gebürtige Mannheimer eine American-Football-Liga „made in Europe“ schaffen.
Streitigkeiten nach dem ELF-Austritt
Dabei hatte es bis zum Februar 2026 ebenjene noch gegeben. 2020 gegründet, wuchs die ELF innerhalb von sechs Jahren auf 16 Franchises aus ganz Europa an. Zugegebenermaßen stammten ein halbes Dutzend Mannschaften ihrer letzten Spielzeit aus Deutschland. Auch stand die Liga auf wackligen Beinen: Die Istanbul Rams entschieden sich für die Rückkehr in die türkische Liga; Franchises aus Barcelona und Zürich stellten den Spielbetrieb ein; die Leipzig Kings bekamen aufgrund finanzieller Engpässe ihre Ligalizenz entzogen.
Anfang 2024 formierte sich zudem innerhalb der ELF Widerstand gegen Geschäftsführer Zeljko Karajica. Der Liga-Verband Football Franchise Association (FFA) forderte eine faire Aufteilung der Einnahmen, um ein kompetitiveres Umfeld zu schaffen. Antreiber war unter anderem die Frankfurt Galaxy.

Zudem kritisierte die FFA mangelnde finanzielle Transparenz und dass mehrere Mannschaften unter der direkten oder indirekten Kontrolle Karajicas standen.
2025 gründete sie sich als European Football Alliance (EFA) neu und drohte an, eine eigene Liga zu gründen. ELF-Commissioner Patrick Esume trat daraufhin wegen Uneinigkeiten mit der ELF-Führung zurück; Geschäftsführer Karajica wollte erst zum Saisonende seinen Posten aufgeben. Am 9. September 2025, zwei Tage nach dem Finale der ELF, verkündete die auf elf Mannschaften angewachsene EFA dann ihren Austritt.
Insolvenzantrag des Meisters
Wie ein neues Ligamodell konkret aussehen sollte, blieb unter den Beteiligten jedoch umstritten. Ein Teil bevorzugte eine von den Teams geführte Liga nach Vorbild der NFL in den Vereinigten Staaten. Vier Franchises gründeten dagegen mit nordamerikanischen Investoren die AFLE.
Die EFA suchte zunächst noch den Schulterschluss mit der ELF. Mitte Januar 2026 scheiterte eine Kooperation jedoch daran, dass beide Seiten unterschiedliche Vorstellungen davon hatten, wie die Liga wirtschaftlich arbeiten und sich langfristig ausrichten sollte.

Lange blieb zudem offen, ob und wie der Spielbetrieb weitergehen würde. In dieser Phase geriet Stuttgart Surge in Schwierigkeiten: Im Sommer noch Meister der ELF geworden, stellte das baden-württembergische Franchise im November 2025 einen Insolvenzantrag. Im Frühjahr 2026 war dann abzusehen, dass es für die Karajica-Liga jedenfalls nicht weitergehen wird.
ELF, EFA, AFLE – sie reichen alle noch nicht an die frühere Bedeutung des europäischen Footballs heran. 1991 gründete die NFL die World League of American Football. Zunächst spielten dort Mannschaften aus den Vereinigten Staaten, Europa und Kanada. 1995 wandelte sich die Liga in einen rein europäischen Wettbewerb und trat später als NFL Europa auf. Bis 2007 setzte sie den Maßstab für Football auf dem Kontinent.
NFL Europa hinterließ übergroße Fußstapfen
Der Grund war ein eigennütziger: In ihr sah die nordamerikanische Muttergesellschaft die Möglichkeit, Märkte außerhalb der Vereinigten Staaten zu erschließen und Reservisten sowie Nachwuchsspielern Spielpraxis zu vermitteln. Dazu stellte sie Gelder, Eventorganisation und Expertise zur Verfügung.
Die Frankfurt Galaxy war in dieser Zeit eine absolute Spitzenmannschaft: Viermal gewann sie den Ligatitel; 31.500 Zuschauer kamen im Durchschnitt zu den Spielen der „Men in Purple“, der Männer in Lila, ins Waldstadion und später in die Commerzbank Arena. Die Trophäenjagd endete 2007, als sie den Hamburg Sea Devils im Finale des World Bowls unterlagen. Rund 48.000 Zuschauer kamen damals in die Frankfurter Arena.

Nur sechs Tage später fiel der Vorhang: Am 29. Juni stellte die NFL den Spielbetrieb in Europa ein. Für Commissioner Roger Goodell war das Verhältnis zwischen den Kosten der Liga und ihrem Nutzen für die amerikanischen Franchises ausschlaggebend.
Erst 13 Jahre später stellte Karajica mit seiner ELF wieder eine europäische Liga auf die Beine – und knüpfte an die NFL Europa an: Vier ihrer anfänglichen sechs Franchises hatten dort bereits gespielt. Und auch ihre Finalspiele kamen mit ihren Zuschauerzahlen in den zwei letzten Spielzeiten zumindest in die Nähe derjenigen des großen Vorbilds.
Trotz klangvoller Namen verzeichnete die Liga aber stark unterschiedliche Reichweiten: Stuttgart Surge erreichte in seiner Meisterschaftssaison 2025 einen Schnitt von 3174 Zuschauern pro Spiel. Rhein Fire kam im selben Jahr auf 10.205. Bei Berlin Thunder blieben die Ränge dagegen mit durchschnittlich 644 Besuchern weitgehend leer.
Alte Franchises, neue Zeiten, wenig Glanz
Dass Teile der ehemaligen ELF-Franchises nun in der EFA antreten, ließ das Interesse nicht wachsen. Zu den letzten zwei Heimspielen der Frankfurt Galaxy in der Regular Season kamen beispielsweise nur 5322 beziehungsweise 5925 Zuschauer an den Bornheimer Hang.
Eine wirtschaftliche Eigenständigkeit bleibt dementsprechend aktuell undenkbar. Ganzjährig von ihren Gehältern leben können die Spieler nicht. Neben seiner Football-Karriere betätigt sich deshalb etwa Galaxy-Defensive-Back Niklas Schumm in einer Gläserei. Head Coach Thomas Kösling, der die Mannschaft 2021 an die Spitze der ELF führte, ist Polizeibeamter.

Mit der konkurrierenden AFLE ergibt sich eine weitere Hürde auf dem Weg Richtung wirtschaftlicher Stärke. In einer Art Kaltem Krieg des Footballs setzt die EFA auf Konfrontation statt auf Annäherung: dadurch, dass nächstes Jahr das englische Franchise London Guards in der EFA antreten wird, besetzen beide Ligen nun parallel zueinander die wichtigen Märkte Paris und London.
Annäherung hätte mehr Vorteile
Dabei wäre eine Annäherung der beiden Ligen sehr zum Vorteil der Franchises. Während die AFLE sich gut vermarktet, krankt sie sportlich an einem Leistungsgefälle. Bei der EFA verhält es sich andersherum. Das wird insbesondere an ihren Halbfinals deutlich, die Mitte August in Frankfurt stattfanden: Zu beiden Spielen fanden sich insgesamt nicht mehr als 6000 Zuschauer ein.
Genauso wie bei der Konkurrenz sind auch bei manchen AFLE-Franchises die finanziellen Mittel knapp. Berlin Thunder kämpfte beispielsweise lange mit einer Insolvenz, konnte sich aus eigener Kraft nicht retten. Ende Juli entschloss sich die Liga deswegen, die Gehaltszahlungen der Berliner Spieler zu übernehmen.

Am 31. August stieg sie dann bei Rhein Fire als Mehrheitseigentümerin ein, bewahrte das Franchise so vor der Insolvenz. Damit ist die AFLE nun nicht mehr nur Organisatorin, sondern auch Inhaberin einer in ihr spielenden Mannschaft.
Probleme gibt es demnach mehr als genug. Auf F.A.Z.-Anfrage gibt sich zumindest die AFLE-Führung offen für einen Zusammenschluss beider Ligen. Dass sich die Konkurrenz erst kürzlich einen Teil des Londoner Marktes sicherte, wertet sie hingegen nicht kritisch.
Stand der Dinge ist, dass sich beide Ligen die Vision eines professionalisierten europäischen Footballs à la NFL Europa teilen. Wie das hehre Ziel jedoch erreicht werden soll, wird unterschiedlich beantwortet. Gerade scheint es so, als ob die EFA einen Alleingang anstrebt. Sollte der gelingen, muss die Frage gestellt werden, was dann aus der Konkurrenz und deren Franchises wird.
Der Kerngedanke der einstigen Revolutionäre ist der richtige – doch der europäische Football droht an seiner Zersplitterung zu scheitern. Die geringe Resonanz bei den EFA-Halbfinals ist jedenfalls ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Weg zurück zu den großen Zeiten der NFL Europa noch weit ist.
