Der Anschlag am Rande des Christopher Street Day in Berlin war ein Schock. Und hatte sogleich auch Auswirkungen in unserem Nachbarland, den Niederlanden. Dort, in Amsterdam, findet in diesem Jahr die World Pride statt, die größte internationale Veranstaltung der LGBTQ+-Bewegung. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden noch am Sonntag, wenige Stunden nach der tödlichen Attacke in Deutschland, massiv erhöht, wie Amsterdams Bürgermeisterin Femke Halsema mitteilte. Zwei Wochen wird in der niederländischen Hauptstadt gefeiert, erwartet werden Hunderttausende Besucher aus aller Welt. Superstar Madonna wird auftreten, wie am Freitag bekannt wurde. Ein weiterer Höhepunkt ist die Bootsparade Pride Amsterdam über die Grachten der Stadt an diesem Samstag.
Die zehnte World Pride konnte noch mit einem anderen Höhepunkt aufwarten. Die niederländische Königin Máxima eröffnete gemeinsam mit Bürgermeisterin Halsema die Veranstaltung im Amsterdamer Vondelpark. Máxima hielt dabei ein Schild in die Höhe, auf dem zu lesen stand: „LIEFDE kent geen GRENZEN“ – „Liebe kennt keine Grenzen“. In ihrer Rede sagte die Fünfundfünfzigjährige: „Zu sein, wer man ist, und zu lieben, wen man will, das ist doch ganz normal, oder?“ Was für Königin Máxima eine Selbstverständlichkeit ist, ist in vielen Teilen der Welt noch immer ein Politikum: Homosexualität zum Beispiel ist in mindestens 67 Ländern strafbar.
Bürgermeisterin Halsema begrüßte Máxima, indem sie darauf hinwies, dass sie bei der Pride nur eine von vielen Königinnen sei. Damit spielte sie auf die zahllosen Dragqueens an, die sich für die echte Majestät besonders in Schale geworfen hatten. Máxima ahnte offenbar, dass sie von vielen glamourösen Königinnen umringt sein würde, und hatte sich darum festlich angezogen. Sie trug ein champagnerfarbenes Spitzenkleid eines ihrer absoluten Lieblingslabels, des belgischen Modehauses Natan Couture, das von Designer Edouard Vermeulen geleitet wird. Dazu einen passenden Hut des niederländischen Putzmachers Berry Rutjes aus Den Haag.
Máxima ist auch die „Königin des Recyclings“
Bekanntermaßen ist Máxima auch die „Königin des Recyclings“: Kleid und Hut hatte sie schon 2019 zu Royal Ascot getragen. Damals fuhr sie mit ihrem Mann, König Willem-Alexander, in der Kutsche der britischen Königin zum Pferderennen. Da Prinz Philip, der Mann von Elisabeth II., sich schon 2017 von seinen königlichen Verpflichtungen zurückgezogen hatte, begleitete an jenem Tag der noch nicht in Ungnade gefallene Prinz Andrew seine Mutter und das niederländische Königspaar.

Welche Bedeutung royale Hutträgerinnen haben, betonte einer der wichtigsten Putzmacher seiner Zunft gerade erst in der britischen Zeitung „The Telegraph“. Philip Treacy stattet unter anderen Königin Camilla schon seit vielen Jahren aus. Von dem Iren stammte etwa der extravagante Straußenfeder-Fascinator, den Camilla bei ihrer Hochzeit 2005 mit Charles trug. Allein für die Hochzeit von Prinz William und Catherine Middleton im Jahr 2011 entwarf der heute Neunundfünfzigjährige 36 Hüte für einige der prominentesten der geladenen Gäste, immerhin noch 20 Hüte waren es bei der Hochzeit von Bruder Harry und Meghan Markle im Jahr 2018.
„Die Königsfamilie hat den Hut im Bewusstsein der Menschen lebendig gehalten“, sagte der noch von Elisabeth II. zum Hoflieferanten ernannte Treacy im Gespräch mit dem „Telegraph“. „Würde das Königshaus keine Hüte tragen, säße ich nicht hier und würde mit Ihnen sprechen.“
Niemand will die Königsfamilie im Trainingsanzug sehen
Die Königsfamilie müsse großartig aussehen. „Wir orientieren uns an ihnen, wenn es darum geht, wie wir selbst am besten aussehen können. Wir wollen sie nicht im Trainingsanzug sehen; wir wollen sehen, wie sie wunderschön aussehen. Es ist ein erhebender Anblick, der den Menschen ganz unmittelbar am Herzen liegt.“

Im Interview betont Treacy auch, wie wichtig Royal Ascot ist – es sei ein Eckpfeiler seines Geschäfts. Er hegt eine besondere Vorliebe für die strenge Kleiderordnung: In der Royal Enclosure, dem exklusivsten Zuschauerbereich bei dem Pferderennen des Monarchen in Ascot, muss von Frauen eine Kopfbedeckung mit einem Durchmesser von mindestens zehn Zentimetern getragen werden. „Solche Momente braucht man. Wenn ich in Amerika bin, treffe ich all diese wunderbaren Frauen, die immer sagen: ‚Wenn wir doch nur einen Anlass hätten, uns entsprechend zu kleiden.‘ Royal Ascot ist eines der letzten gesellschaftlichen Ereignisse, bei denen die Kleidungsvorschriften den besonderen Charakter der Veranstaltung bewahren.“
Rund 750 Millionen Menschen verfolgten die Hochzeit am Fernseher
Schon Prinzessin Diana schätzte Treacys Arbeit. In dieser Woche jährte sich ihr Hochzeitstag mit dem damaligen Thronfolger zum 35. Mal. Es war das Ereignis im Sommer 1981, rund 750 Millionen Menschen verfolgten damals die Trauung des künftigen Königs mit Lady Diana Spencer am Fernseher.
Die vermeintliche Märchenhochzeit war keine, wie sich nur wenige Jahre später herausstellte. Ob das auch schon der Erzbischof von Canterbury, Robert Runcie, erkannte, der die beiden damals vermählte? In seiner Rede, die oft verkürzt wiedergegeben wird, sprach er zwar durchaus von einem Märchen: „Hier sehen wir den Stoff, aus dem Märchen sind: den Prinzen und die Prinzessin an ihrem Hochzeitstag.“ Danach aber ergänzte er, dass Märchen meist an diesem Punkt mit dem schlichten Satz enden würden: „Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage.“ Und das könnte daran liegen, „dass Märchen die Ehe als einen Antiklimax im Anschluss an die Romantik der Brautwerbung betrachten“.

Besser also wird’s (oft) danach nicht mehr. Schon gar nicht, wenn man eine Frau heiraten muss, weil sie ins überkommene Konzept der Familie passt. Nicht die Liebe war ausschlaggebend, sondern die standesgemäße Herkunft der Braut – und dass sie Jungfrau war.
Genau dem widersetzt sich nun ein möglicher Thronfolger, der zwar sowieso kaum Chancen hätte, einmal Kaiser von Brasilien zu werden, aber sich dennoch den Hausregeln unterwerfen sollte: Rafael de Orléans e Bragança. Dom Rafael ist ein Urururenkel des letzten Kaisers von Brasilien, Pedro II. (1825 bis 1891).
Der ältere Bruder kam bei einem Flugzeugabsturz ums Leben
Eigentlich war er nur der Zweitgeborene, aber sein älterer Bruder Pedro Luíz kam im Jahr 2009 beim Absturz des Air-France-Fluges von Rio de Janeiro nach Paris ums Leben. Der Vierzigjährige hat enge Beziehungen zu europäischen Königshäusern: Seine Mutter entstammt der großherzoglichen Familie in Luxemburg, seine Großmutter war eine Enkeltochter Ludwigs III., des letzten Königs von Bayern.
Dom Rafael war lange in Europa auf der Suche nach der passenden Braut, katholisch müsste sie sein und aus dem Hochadel stammen. Genau so schreiben es die dynastischen Regeln der Familie vor. Doch im Mai gab er plötzlich seine Verlobung mit Margherita delle Piane bekannt. Sie entstammt zwar einer italienischen Adelsfamilie, aber das genügt dem derzeitigen „Kaiser von Brasilien“, dem 85 Jahre alten Dom Bertrand von Orléans-Braganza nicht. Dabei kann die 1988 in Genua geborene Architektin Margherita delle Piane ihre aristokratische Familiengeschichte väterlicherseits bis ins zwölfte Jahrhundert zurückverfolgen, und ihre Mutter entstammt sogar der fürstlichen Linie der Markgrafen von Afflitto.

Dennoch würde Dom Rafael mit ihr eine „morganatische Ehe“ eingehen, frei übersetzt: eine Ehe zur linken Hand, was nichts anderes bedeutet, als dass sie nicht standesgemäß ist. Der „Kronprinz von Brasilien“ scheint entschlossen, die Hochzeit in Florenz ist für November geplant. Sollte sie stattfinden, würde seine jüngere Schwester Dona Maria Gabriela umgehend zur neuen „Kronprinzessin“ werden, da seine ältere Schwester, Prinzessin Amélia, auch schon nicht standesgemäß geheiratet hat.
