In tiefer Trauer gedenken die Norwegerinnen und Norweger auf dem Schlossplatz ihres Königs. Viele haben Tränen in den Augen, als sie nach der Nachricht vom Tod Haralds V. Blumen niederlegen. Um 6.35 Uhr war der 89-Jährige im Reichskrankenhaus friedlich und für immer eingeschlafen, wie das Königshaus mitteilte. Den Thron erbt Haralds Sohn Haakon, der wie weitere Familienmitglieder am Krankenbett gewacht hatte.
„Er war ein großartiger König“, sagte eine Norwegerin der Deutschen Presse-Agentur auf dem Schlossplatz. „Es ist eine harte Zeit für alle.“ Eine andere Passantin sprach von einem „Schock“. Sie habe die Nachricht am Morgen im Bus aus dem Radio erfahren – und angefangen, zu weinen. Darauf sei niemand vorbereitet, sagte sie. Schnell bekundeten auch zahlreiche Politikerinnen und Politiker sowie die benachbarten Monarchien ihr Beileid.

„Eine ganze Nation trauert, und das norwegische Volk ist zugleich zutiefst dankbar für ein langes Leben im Dienste Norwegens“, sagte der norwegische Regierungschef Jonas Gahr Støre. „Mehr als drei Jahrzehnte lang demonstrierte Harald V. als Monarch ein unerschütterliches Vertrauen in das norwegische Volk. Er half uns, das Beste in uns selbst und ineinander zu sehen.“
Schwedischer König: „Haralds Lebensgeschichte ist außergewöhnlich“
Gesundheitlich war der norwegische König schon lange angeschlagen. Seit 2024 war er etwa dauerhaft auf einen Herzschrittmacher angewiesen. Außerdem hatte er häufig mit Atemwegs-Erkrankungen zu tun. Im Februar war der Monarch während eines Urlaubs auf Teneriffa mit Sonja wegen einer Infektion ins Krankenhaus gekommen. Auch das Gehen fiel ihm seit längerer Zeit schwer. Anfang dieser Woche war er abermals ins Krankenhaus gekommen.
Den Thron vorzeitig seinem Sohn Haakon zu überlassen, war für Harald trotzdem nicht infrage gekommen. Seine royalen Pflichten absolvierte er bis zuletzt. „König Haralds Lebensgeschichte ist außergewöhnlich“, sagte der schwedische König Carl XVI. Gustaf. „Über all die Jahre war der König für mich, meine Familie und für Schweden ein guter Freund.“ Auch der niederländische König Willem-Alexander und seine Frau Máxima teilten mit, sie würden „die Erinnerung an die besondere Freundschaft mit ihm in unseren Herzen“ bewahren.
Der britische König Charles III. kondolierte ebenfalls in einem öffentlichen Statement: „Die Königin und ich sprechen Königin Sonja und ihrer Familie unser tiefstes Beileid aus.“ Großbritannien teile Norwegens Trauer angesichts des „herzzerreißenden Verlusts“.
Auch das belgische Königshaus bekundete sein Beileid: „Sein Humor, seine Menschlichkeit und seine Aufrichtigkeit machten ihn zu einer außergewöhnlichen und besonders liebenswerten Persönlichkeit, die höchste Wertschätzung genoss“, teilten König Philippe und seine Frau Mathilde mit.
Dänemarks König Frederik X. und Königin Mary veröffentlichten einen Brief an den neuen König Haakon: „Lieber Haakon, mit großer Trauer haben wir vom Tod deines Vaters, Seiner Majestät König Harald, erfahren. Dein Vater hat für meine Mutter und für uns eine große Bedeutung gehabt. Onkel Harald konnte mit seiner herzlichen Art und seiner unerschütterlichen Ruhe jeden in seiner Gegenwart beruhigen. Er war ein feiner Mensch mit einem Lächeln in den Augen und einem großen Herzen.“
Steinmeier: „Europa verliert einen großen Versöhner“
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Harald V. als Freund Deutschlands und Versöhner Europas. „Die Kraft und Hingabe, die er täglich seinem Land zuwandte, suchen ihresgleichen“, heißt es im Kondolenzschreiben des Bundespräsidenten an König Haakon VIII., Haralds Sohn und Nachfolger. Harald habe sein ganzes Leben in den Dienst seines Landes und Volkes gestellt. Deutschland verliere einen großen Freund und „Europa verliert einen großen Versöhner“, so Steinmeier weiter.
Bundeskanzler Friedrich Merz wünschte der königlichen Familie und dem norwegischen Volk viel Kraft. „Der Tod von König Harald V. macht uns alle betroffen. Norwegen verliert eine große Persönlichkeit, die für Besonnenheit und Einheit stand“, teilte er mit.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nannte Harald V. einen „wahren Europäer“, der seinem Land mit „Herzlichkeit, Bescheidenheit und unerschütterlichem Pflichtbewusstsein“ gedient habe. Nato-Generalsekretär Mark Rutte sprach der Königsfamilie ebenfalls sein Beileid aus. Der verstorbene König sei „ein langjähriger Freund der Nato“ gewesen.
Kirchengeläut am Mittag in ganz Norwegen
Am Freitagmittag sollen in ganz Norwegen Kirchenglocken läuten. Darüber hat die Norwegische Kirche ihre Gemeinden informiert, hieß es in einer am Freitagmorgen veröffentlichten Pressemitteilung. Geläutet werden die Glocken von 12 bis 13 Uhr in Absprache mit dem Königlichen Hof und der Regierung.
„Dies ist ein Tag der Trauer für uns als Volk und Nation“, betonte Olav Fyske Tveit, leitender Bischof der Norwegischen Kirche. Gleichzeitig empfinde man tiefe und herzliche Dankbarkeit „für alles, was König Harald uns allen zeitlebens bedeutet hat“. Auch stünden für Trauernde in den kommenden Tagen landesweit Kirchen offen.
