Komödien brauchen Hindernisse. Ohne Bananenschale plumpst niemand peinlich auf den Allerwertesten, ohne Glastür läuft sich niemand lächerlich die Nase blutig. Der Aufprall auf eine widrige Wirklichkeit ist eine Grundfigur des Komischen; es muss allerdings Handlungsspielraum bleiben, eine Verrenkung der Glieder, ein merkwürdiges Geräusch. Der Raum des Menschlichen eben, der stumpfe Hebelwirkung transzendiert.
Für die amerikanische Komödie „One Night Only“ hat sich das Drehbuch-Duo Will Gluck und Travis Braun ein ziemlich radikales Hindernis ausgedacht. In einem alternativen Amerika der nahen Zukunft ist Sex vor der Ehe untersagt. Bis auf eine Nacht im Jahr, in der Verkehr erlaubt ist, sofern ein Chip im Unterarm die entsprechende Farbe anzeigt. Man kennt das Schema aus der Horrorreihe „The Purge“, in der einmal im Jahr das Gewaltmonopol eines oppressiven Staats aufgehoben wird, sodass sich alle austoben und verschiedenste Rechnungen begleichen können.
„One Night Only“ wendet diese Prämisse ins Lustvolle. Im Hintergrund der Idee ist ein Regime zu erkennen, das sich aus „moralischen Mehrheiten“ herleiten lässt, die in Amerika seit Jahrzehnten gern die allgemeinen Regeln setzen würden. Eine konservative Dystopie also, von der man sich nicht leicht vorstellen kann, wie sie in einer Stadt wie New York durchsetzbar sein sollte. Doch sei es drum, für eine gute Komödie lässt man sich allerhand einreden, solange daraus heitere Konsequenzen erwachsen.
In einem äußerst ungünstigen Moment
Wir treffen also Owen, der gerade noch eine Pizza in den Ofen schiebt, bevor er seinen Laden für den Abend dichtmacht. Für ihn ist alles gebongt: Er ist mit seiner Freundin Malika verabredet, er wird ihr einen Antrag machen, und dann wird natürlich auch vollzogen werden, was als körperliches Sakrament der Ehe vorgesehen ist. Owen ist ein guter Kerl, er fällt aus allen Wolken, als sich herausstellt, dass Malika andere Pläne hat, mit denen sie in einem äußerst ungünstigen Moment herausrückt.
Wir treffen auch Allie, eine Sängerin, die mit Werbeclips ein wenig Geld verdient – die peinliche Exaltation, die man ihr für eine Produkthervorhebung abverlangt, wird sich später noch komisch verzinsen. Allie hat keinen designierten Partner für die Nacht, sie will mit ihrer Freundin Ausschau halten und macht die Sache für sich auch noch kompliziert, weil sie jemanden sucht, mit dem sie in einem umfassenderen Sinn etwas anfangen kann. Sie vermischt Liebe und Sex, damit fällt sie aus dem wilden Treiben der „One Night Only“ schon heraus und begibt sich in das Genre der romantischen Komödie. Zu deren Gesetzen gehört es, dass Owen offensichtlich für sie bestimmt ist und dass sich davor aber enorme Hindernisse auftürmen.
Über zwei Drittel des Films hinweg ergibt die Prämisse von „One Night Only“ sehr vergnügliche Vignetten aus dem hoch beschleunigten urbanen Leben. Zu einem Höhepunkt wird die Jagd nach einem Kondom; denn wie üblich gibt es viele, die nicht rechtzeitig ans Praktische gedacht haben, sodass sich um eines der letzten Gummis eine Kaskade von Übervorteilungen und Ausbremsungen ergibt. Manhattan müssen wir uns dabei als Dorf denken, anders wäre es nicht ganz plausibel, dass Owen und Allie einander immer wieder über den Weg laufen. Zum Ende hin übertreibt Will Gluck, der auch Regie führte, allerdings die Konventionen der Rom-Com: Für das Institut der „One Night Only“ darf man sich eine subversivere Auflösung wünschen als die für Owen und Allie.
Der Erfolg, der für den Film zu gewärtigen ist, dürfte viel mit der Besetzung zu tun haben: Monica Barbaro und Callum Turner strahlen beide etwas angenehm Alltägliches inmitten der New Yorker Aufgeregtheit aus. Natürlich sind beide in hohem Maß attraktiv, sie sind die Alpha-Figuren in einer Riege von leicht grotesken Nebenfiguren, die alle eben für „das eine“ nicht infrage kommen. Das eine, das ist nicht nur Sex, das ist die Eignung für eine Hauptrolle, die Barbaro an der Seite von Tom Cruise in „Top Gun: Maverick“ und dann vor allem mit der Rolle der Joan Baez in „A Complete Unknown“ bewiesen hat.
Callum Turner hingegen startet gerade erst durch, im Februar war er mit „Rosebush Pruning“ bei der Berlinale, und wer Zeit hat, sollte sich die großartige Komödie „Eternity“ aus dem Vorjahr ansehen. Mit „One Night Only“ entsteht eine Beziehung, die Andeutungen von der Strahlkraft klassischer Hollywood-Paare hat. Für eine leicht durchwachsene Rom-Com ist das im Grunde schon deutlich mehr als nur die halbe Miete.
