
1954 war „ein eleganter Jahrgang mit zeitloser Ausstrahlung“. So jedenfalls steht es auf einer Preisliste im Onlineshop von Kloster Eberbach. Mit 2500 Euro ist der Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Natur die teuerste Rarität im aktuellen Angebot. Es sind aber auch Flaschen für deutlich weniger zu bekommen, der günstigste Wein ist ein Rheingau Pinot Noir von 2005 für 39 Euro. Die erhaltenen Bestände der Schatzkammer reichen bis ins Jahr 1706 zurück. Von einem „einzigartigen Zeugnis deutscher Weinkultur“ ist in der Werbung die Rede. Die AfD im Hessischen Landtag hat das Angebot zum Anlass für eine parlamentarische Anfrage genommen.
Ein Mindestbestand soll bleiben
Die Weine würden nicht erstmals angeboten, stellt der verantwortliche Landwirtschaftsminister Ingmar Jung (CDU) in seiner Antwort klar. Auf Anfrage seien sie auch schon in den zurückliegenden Jahren verkauft worden. Jetzt habe man lediglich erstmals systematisch eine Raritätenliste von Weinen mit hohen Beständen erstellt. Im Übrigen entspreche das der strategischen Neuausrichtung, die Hessische Staatsweingüter GmbH Kloster Eberbach als „Leuchtturm und Flaggschiff des hessischen Weinbaus“ zu positionieren und die hervorragende und außerordentliche Qualität der Schatzkammerweine als „flüssiges Weingedächtnis“ der Öffentlichkeit auch bekannt und erlebbar zu machen.
Hinzu komme, so Jung, dass die Lagerkapazitäten der Schatzkammer im Kloster ausgeschöpft seien. Mittlerweile müssten schon Räume im Steinbergkeller und in Assmannshausen genutzt werden. „Ein Abverkauf ist daher notwendig, um dem Auftrag der weiteren Zuführung von Raritäten in die Schatzkammer nachkommen zu können.“ Jedes Jahr kämen etwa 800 bis 1500 Flaschen neu in die Schatzkammer. Teilweise lagere man dort je Wein bis zu 240 Flaschen ein. Die Tropfen würden regelmäßig, in der Regel in Abständen von 15 bis 20 Jahren, zum Umkorken, Beifüllen oder Aufschwefeln verkostet.
Weine, die zwar jetzt eine perfekte Trinkreife, aber kein weiteres Lagerpotential besäßen, könnten und sollten entnommen werden, so der Minister. Zwischen den defizitären Jahresbilanzen der Staatsweingüter und dem Verkauf der Schatzkammerweine gebe es keinen Zusammenhang. Und auch die Befürchtung der AfD, dass der Bestand historischer Weine „ausgedünnt“ werde, weist Jung zurück. Nach seinen Angaben werden grundsätzlich keine Bestände aufgelöst. In den Verkauf kämen ausschließlich Weine mit einem sehr hohen Lagerbestand. Grundsätzlich bleibe ein Mindestbestand in der Schatzkammer.
Die Weine würden weiterhin hervorragend gepflegt, regelmäßig verkostet und geschmacklich bewertet. Dass aber auch sie in sehr moderatem Umfang Privatkunden sowie Restaurants und Exportkunden angeboten würden, entspreche der Strategie einer „Premiumisierung und Höherpositionierung der Hessischen Staatsweingüter“.
Historische Spitzenweine des Weingutes funktionierten als Aushängeschild, wenn sie öffentlich zugänglich seien und verkostet werden könnten. Die Weine aus der Schatzkammer würden vor allem hochwertigen Restaurants sowie im Export ausgewählten Importeuren angeboten, so Jung. Dies unterstreiche die einzigartige Profilierung der Staatsweingüter als Premiumweingut. Denn ein derart tiefer, gut gepflegter und hochwertiger Lagerbestand sei einzigartig.
Privatkunden werde nur eine begrenzte Auswahl an Raritäten angeboten. Im Restaurant Klosterschänke in Kloster Eberbach kämen, abgestimmt auf die Speisen und die Jahreszeit, ebenfalls immer wieder Raritäten auf die Weinkarte. Und auch bei Verkostungen und Versteigerungsproben würden Weine aus der Schatzkammer ausgeschenkt.
