Seit Ende 2025 können sich Frankfurter klimafreundlich zurückgelegte Wege mithilfe einer App namens „Klimataler“ gutschreiben lassen. Jetzt dürfen erfolgreiche Nutzer – neben anderen Vergünstigungen – auch einmal im Monat bei freiem Eintritt eines der städtischen Schwimmbäder besuchen. Wer sich mithilfe der App sieben Münzen verdiene, könne dieses Angebot nutzen, teilt die Stadt mit. Die Bäder seien seit Kurzem Partner der Bonus-App. Zusätzlich erhielten die ersten 200 Nutzer einen Zwei-für-eins-Gutschein beim Einlösen ihrer gesammelten Taler. „Wer klimafreundlich unterwegs ist, soll davon auch ganz konkret profitieren“, sagt Umweltdezernentin Tina Zapf-Rodríguez (Die Grünen).
Hinter der App stehen Daniela Schiffer und Markus Schulz, die das in ganz Deutschland angebotene Konzept entwickelt haben. Die Berliner sind Geschäfts- und Lebenspartner und setzen sich für den Klimaschutz mithilfe digitaler Währungen ein. Die App werde in Kooperation mit mehr als 50 Städten umgesetzt: Kommunen können sich als Partner anschließen, lokale Prämien festlegen und Partnerschaften mit örtlichen Betrieben organisieren. Das Netzwerk wachse stetig, heißt es von den beiden Geschäftsführern.
Die Idee der App nach Angaben der Initiatoren: Wer Rad fahre, Bus und Bahn oder die eigenen Füße nutze, spare Kohlenstoffdioxid und sammle dafür Taler. Einen gebe es für 31 Kilometer zu Fuß und mit dem Fahrrad. 60 beziehungsweise 37 Kilometer seien im Nah- und Fernverkehr erforderlich. In Frankfurt gesammelte Taler könne man bei mehr als 20 teilnehmenden Geschäften und Einrichtungen einlösen, meldet die Stadt. Dazu gehören etwa der Palmengarten und das Historische Museum, aber auch Händler und Gastronomen.
KI erkennt Fortbewegungsarten
Die App erkennt den Betreibern zufolge die von den Teilnehmern zurückgelegten Wegstrecken automatisch. Hierfür nutze sie eine KI. Diese ermittele bis zu zwölf Mobilitätsarten anhand von Geschwindigkeit und Fortbewegung. Hierfür nutze das Smartphone Sensoren, die die Schrittfrequenz erkennen könnten, wie zum Beispiel Erschütterungen durch rhythmische Auf- und Abwärtsbewegungen beim Gehen oder die Vibrationen eines Busses oder der Straßenbahn.
Den App-Daten zufolge sammeln circa 2150 der rund 780.000 Einwohner Frankfurts Klimataler. Was nach wenig klingt, hat Wirkung: Allein im Juli seien in der Mainmetropole knapp 80.000 Kilogramm Kohlenstoffdioxid gespart worden. Damit liege Frankfurt im Ranking auf Platz drei hinter München und Braunschweig. Andere teilnehmende Städte sind zum Beispiel Aachen, Köln und Königstein im Taunus.

Ein Mitwirkender ist der Chocolatier Michael Kitz im Nordend. Sein Betrieb sei seit Januar dabei. Wer dort drei Taler einlöse, erhalte 40 Prozent Rabatt auf eine handgemachte Tafel Costa-Rica-Schokolade mit Erdbeeren und Veilchen, sagt der Inhaber. Nach gut 90 Kilometern zu Fuß ist das eine klimafreundlich vergünstigte Süßigkeit. Kitz zufolge haben 15 Frankfurter im ersten Halbjahr Taler gegen Tafel getauscht. Auf die App sei er über seinen Partner gestoßen, der bei der Stadt arbeite.
Überschaubar hingegen fällt die Bilanz bei der Goldschmiedin Alexandra Baum aus. Sie sei seit Februar 2026 dabei und biete für zehn Taler Rabatte in Höhe von 20 Prozent auf Anfertigungen aus recyceltem Gold an, sagt Baum. Bisher habe sich aber noch kein App-Nutzer in ihrem Bockenheimer Atelier gemeldet. Überzeugt habe sie an dem Angebot, dass damit Umweltbewusstsein spielerisch in den Alltag integriert werden könne. „Ich versuche mit meinem Betrieb dauerhaft noch nachhaltiger zu werden.“
Außer Schokolade und Schmuck gibt es vergünstigte Kulturangebote: Zehn Taler öffnen für Umweltsparer kostenfrei die Türen des Archäologischen und des Historischen Museums, zwölf die des Architekturmuseums am Schaumainkai.
Die App „Klimataler“ ist unentgeltlich im App-Store zu finden. Die aktuellen Teilnehmerzahlen belaufen sich auf knapp 165.000, heißt es in der App. In ganz Deutschland seien die Sparer bereits neun Millionen Kilometer gelaufen und knapp zwölf Millionen Kilometer Fahrrad gefahren.
