
Handelspolitische Konflikte, Zölle, der Krieg in der Ukraine und der aufgeheizte Wettbewerb um die Vorherrschaft in der Künstlichen Intelligenz zwischen den Vereinigten Staaten und China haben dem Geschäft der weltweit größten Wirtschaftskanzleien offenbar nicht geschadet. Im Geschäftsjahr 2025 – für viele Großkanzleien im angelsächsischen Raum ist das der Zwölfmonatszeitraum bis Ende April 2025 – erzielten die 200 umsatzstärksten Wirtschaftskanzleien der Welt zusammen einen Umsatz von 248,5 Milliarden Dollar.
Das geht aus der jüngsten jährlichen Analyse des Branchendienstes Law.com zu den Finanzzahlen der globalen Kanzleibranche hervor. Die sogenannten Global 200 steigerten ihren Umsatz um 11,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieses deutliche Plus lässt sich nicht allein durch das moderate Wachstum der Anwaltszahl erklären. Diese stieg insgesamt um drei Prozent, während der Umsatz je Anwalt um 8,7 Prozent zulegte. Das spricht für eine hohe Auslastung und möglicherweise auch für gestiegene Stundensätze oder einen ertragreicheren Mix aus Beratung, Prozessführung und Schiedsverfahren. Die Daten allein lassen jedoch keine eindeutige Aussage zu, welcher der Faktoren ausschlaggebend war.
Marktsegmente entwickeln sich auseinander
Deutlich ist hingegen, wie die Spreizung innerhalb der Rechtsbranche sich fortsetzt. So stiegen die Umsätze im Feld der 100 umsatzstärksten Kanzleien um 12,7 Prozent; die Zahl der Anwälte nahm dort um neun Prozent zu. Damit entwickelte sich die obere Hälfte der Global 200 dynamischer als die Sozietäten von Platz 100 an.
Die zehn umsatzstärksten Kanzleien der Welt erzielten im Geschäftsjahr 2025 zusammen einen Umsatz von rund 50,1 Milliarden Dollar. Für diese Sozietäten arbeiten auf der ganzen Welt gut 30.000 Anwälte. An der Spitze dominieren wie in den vergangenen Jahren Kanzleien mit Stammsitz in den USA. Mit DLA Piper und A&O Shearman (bis Mai 2024 als Allen & Overy sowie Shearman & Sterling als zwei eigenständige Kanzleien) finden sich unter den Top Ten nur zwei Sozietäten mit britischen Wurzeln.
Kirkland bleibt weiter an der Marktspitze
Kirkland & Ellis verteidigten ihren Spitzenplatz als umsatzstärkste Kanzlei der Welt. Die Sozietät aus Chicago erzielte einen Umsatz von 10,56 Milliarden US-Dollar und überschritt damit die Schwelle von zehn Milliarden Dollar. Ärgste Verfolgerin bleibt die an der US-Westküste gegründete Kanzlei Latham & Watkins mit einem weltweiten Umsatz von 8,3 Milliarden Dollar. Mit deutlichem Abstand folgen die übrigen Kanzleien der Top Ten. DLA Piper kommt auf 4,58 Milliarden Dollar, Gibson Dunn auf 4,21 Milliarden und Skadden auf 4,07 Milliarden Dollar. Die Kanzleien auf den Plätzen sechs bis zehn liegen jeweils zwischen 3,74 und 3,59 Milliarden Dollar.
Für DLA Piper ist es nach 20 Jahren das letzte Geschäftsjahr unter der Dachorganisation eines Schweizer Vereins. Die Partner des bislang finanziell eigenständigen US-Teils und des übrigen internationalen Kanzleiverbunds stimmten im April für die Auflösung der alten Struktur. Sie wurde durch eine neue globale Partnerschaft mit stärkerer finanzieller Integration ersetzt. Im Vorjahresranking hatte A&O Shearman, noch mitten in der Fusion, auf Platz vier gelegen. Im ersten vollständigen Geschäftsjahr 2025 fiel die neu zusammengeführte Kanzlei mit einem Umsatz von knapp 3,7 Milliarden Dollar auf Rang acht zurück.
Die Streitigkeiten zwischen Wirtschaftsanwälten und der Regierung von Präsident Donald Trump im Frühjahr 2025 hatten offenbar keine unmittelbaren finanziellen Folgen für einige der zehn größten Kanzleien. Das Weiße Haus hatte einer Gruppe internationaler Großkanzleien unter anderem vorgeworfen, politische Gegner Trumps vertreten zu haben und über Vielfältigkeits-, Gleichheits- und Inklusionsprogramme (Diversity, Equity, Inclusion, kurz DEI) diskriminierende Einstellungspraktiken betrieben zu haben.
Einige Kanzleien wehren sich bis heute vor Gericht dagegen. Andere verständigten sich mit der Regierung darauf, kostenlose Rechtsberatungen im Gegenwert von 940 Millionen Dollar zu erbringen. Zu diesem Kreis zählen mit Kirkland, Latham, Skadden und A&O Shearman auch vier Kanzleien der globalen Marktspitze.
