Über die fünf Bücher dieser monatlichen Bestenliste stimmen 20 Redakteurinnen und Redakteure der ZEIT ab. Die aktuellen Titel stellt Katrin Hörnlein hier vor.
Brenda Heijnis: Später ist ein Schrottwort
A. d. Niederländischen v. Birgit Erdmann; Mixtvision 2026; 176 S., 16,– €;
Kinderroman, ab 11 Jahren
Es war einmal eine Familie, Mutter, Vater und drei Kinder. Sie lebten glücklich und zufrieden auf ihrem Tulpenhof am Rande einer kleinen Stadt. Doch bei einem schrecklichen Unfall stirbt eins der Kinder, dann zieht die Mutter weg und nimmt eine der beiden Töchter mit. »Trennung auf Probe« nennen die Eltern das und sagen, dass Sam, die mit ihrem Vater auf dem Hof bleibt, das »später irgendwann« schon verstehen werde. Sam will das aber gar nicht verstehen. Sie will auch nicht, dass ihre Familie sich immer weiter auflöst. Alle schweigen, sind erstarrt in ihrem Kummer – und lassen einander im Stich. So jedenfalls empfindet sie es. Sogar ihre Schwester, zu der sie immer eine enge Verbindung hatte, wirkt wie ausgewechselt. Wie ein anderer Mensch. Als Sam nachts mit dem Rad unterwegs ist, begegnet sie Toon, der zu Hause auch Probleme hat. Gemeinsam beginnen sie, ihre Familien zu heilen. Brenda Hejnis gelingt das Kunststück, Worte für das Schweigen und die Leere zu finden. Sie erzählt von zwei starken Kindern, die sich mit den Entscheidungen der Erwachsenen nicht abfinden wollen. Die einige Enttäuschungen einstecken und Zurückweisungen aushalten müssen. Und die eine Menge Mut für manch nächtliches Abenteuer brauchen, um am Ende mit einem Neuanfang belohnt werden, oder zumindest mit den ersten kleinen Schritten dorthin.
