
Der deutsche Internet- und Cloudanbieter Ionos und das schwäbische Deeptech-Start-up Q.ant haben eine strategische Partnerschaft für neuartige Chiptechnologie vereinbart. Wie die Unternehmen mitteilten, wollen sie gemeinsam Bausteine entwickeln, die im Hinblick auf Künstliche Intelligenz (KI) einen neuen Entwicklungspfad öffnen könnten. Sie sollen überaus leistungsfähig sein, dabei aber deutlich weniger Energie verbrauchen als jetzige KI-Chips.
Während Ionos in die technische Partnerschaft seine Erfahrungen im Bereich Datenzentren einbringt, hat Q.ant weitreichende Expertisen bei neuartigen Prozessoren. Die Unternehmen unterstreichen, dass ihre Zusammenarbeit neben einer wirtschaftlichen und entwicklungstechnischen auch eine politische Dimension hat. Sei sie doch „ein klares Zeichen für Innovation Made-in-Europe“, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung.
Die laufenden Debatten über die mögliche Unabhängigkeit von Technologieanbietern in Übersee und die sogenannte digitale Souveränität richte sich meist nur auf die Bereiche Software und digitale Plattformen. Das sei zu kurz gesprungen. Denn ohne eigene Hardware wie Computer und Chips sei ein eigenständiges Vorgehen in der komplizierten Welt der Hochtechnologien kaum möglich. Das trete bei vielen Diskussionen nur allzu oft in den Hintergrund.
Asien und Amerika sind bereits am Ball
Die Partnerschaft zwischen Ionos und Q.ant zeige, dass Europa auf der Hardwareebene eigene Wege gehen könne. Die Schwaben entwickeln Chips, die mit Lichtteilchen arbeiten. Die sogenannten photonischen Prozessoren seien für KI-Anwendungen gut geeignet. Die Chips sind nicht nur sehr leistungsfähig und verbrauchen dabei deutlich weniger Energie als herkömmliche Chips von Nvidia oder AMD. Sie ermöglichen auch eigene Softwares und ließen sich vollständig in Europa herstellen.
Die nun angekündigte Kooperation öffne neue Wege für den Einsatz der sogenannten Native Processing Server (NPS) von Q.ant in kommerziellen Rechenzentren. In wissenschaftlichen Datencentern sind sie bereits im Einsatz, so etwa im Hochleistungsrechenzentren am Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) in München sowie am Forschungszentrum Jülich. Auch Amerikaner, Chinesen und Japaner arbeiten derzeit an der Entwicklung dieser Lichtchips. Q.ant gilt hier als eines der technisch führenden Unternehmen.
„Unsere Technologie setzt völlig neue Standards bei KI“
„Unsere Technologie setzt völlig neue Standards bei KI und High Performance Computing“, sagt Michael Förtsch, Vorstandschef von Q.ant. „Photonische Chips können gerade in der KI ihre Stärken gegenüber klassischen GPUs ausspielen: mit höherer Rechenleistung und deutlich reduziertem Energieverbrauch. Durch die Kooperation mit Ionos gehe man nun einen Schritt in Richtung Kommerzialisierung und Industrialisierung der Technologie. In Ionos haben wir dafür den idealen Partner gefunden.“
Andreas Nauerz, Chief Product Officer von Ionos, sagt: „Mit Q.ant haben wir einen Partner, der Computing neu denkt und damit die weitere Skalierung von KI-Infrastrukturen erst ermöglicht – mit einem durchgängig souveränen KI-Stack.“ Gemeinsam könne man Anwendern den Zugang zu innovativen KI-Technologien bieten. Die basierten auf „europäischen Werten wie Datenschutz, Transparenz und technologischer Selbstbestimmung“. Schon in den kommenden Wochen sollen erste gemeinsame Lösungen für Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz und das sogenannte Supercomputing angeboten werden.
