Der Formel-1-Grand-Prix in Monaco lief dieses Jahr gewiss nicht rund. Was dort angesichts von 19 Kurven ohnehin als gewagte Erwartung gelten darf. Ein Grand Prix mit Ecken und Kanten eben. Und damit passt er erstaunlich gut zu einer Uhr, die sich seit 1969 ebenfalls beharrlich weigert, rundum rundzulaufen. Die Tag Heuer Monaco ist eckig, kantig und ein wenig widerspenstig. Kurz gesagt, Monaco im Gehäuse.
Damals wollte Jack Heuer, Urenkel des Firmengründers und Motorsportfreund, eine Rennfahreruhr schaffen, die sich von der runden Konkurrenz im Schaufenster abhob. Was aus heutiger Sicht wenig spektakulär klingt, war tatsächlich eine Herausforderung. Eckige Gehäuse gegen Wasser abzudichten, galt als schwierig, weil der Druck an den Ecken ungleichmäßig war.
Heuer erkannte das Potential der Konstruktion von Erwin Piquerez S.A., kurz EPSA, und sicherte deren Exklusivrechte für Chronographen. So entstand die Monaco als erster wasserdichter, eckiger automatischer Chronograph mit 100 Meter beziehungsweise zehn bar. Die breite Masse war vorerst verhalten, bis Steve McQueen den nötigen Popularitätsschub besorgte. Er trug sie bei den Dreharbeiten zum Film „Le Mans“ am Handgelenk und machte sie weltberühmt.

Seither entstanden gefühlt mehr als 100 Referenzen, Farbvarianten und Sondereditionen. Allein die aktuelle Kollektion zählt 26 Ausführungen, von elegant bis extravagant und extrateuer. Der Klassiker und überdies moderater im Preis ist die blaue Ausführung für 9300 Euro. Das Schweizer Unternehmen aus La Chaux-de-Fonds kehrt zur historisch bedeutenden Referenz 1133B zurück, jener Uhr Anfang der Siebzigerjahre, die Rennfahrer McQueen trug.
Weniger kopflastig
Am Handgelenk hatten es Träger gewiss nicht leicht mit ihr. Was ihr zum Kultstatus verhalf, konnte sich beim Tragen als ergonomische Zumutung erweisen. Quadratisch, breit, spitzkantig, schwer und kopflastig saß der eckige Zeitmesser bisweilen eher wie ein Klotz auf anstatt am Handgelenk. Tag Heuer hat das Problem angefasst, ohne der Uhr ihre Eigenheiten auszutreiben.

Das Gehäuse aus Titan Grad 5 ist deutlich leichter als die Stahlvarianten. Die Testuhr wiegt gut 86 Gramm, ein Stahlmodell rund 105 Gramm. Das klingt nach Erbsenzählerei, im Motorsport geht es um Zehntel, gar Hundertstel. Am Handgelenk ist der Unterschied spürbar und Geschmackssache. Der Autor verbindet Gewicht mit Wertigkeit und findet das Titanmodell deshalb tendenziell zu leicht. Aber die Monaco gibt es auch weiterhin mit Edelstahl.
Mit 39 Millimetern bleibt sie ihrer Größe treu. Von Horn zu Horn sind es 48,5 Millimeter, in der Höhe 13,8 Millimeter. Die gebogenen Flanken folgen stärker der Rundung des Handgelenks, das Saphirglas ist gewölbt wie bei der Ur-Monaco mit Kunststoffglas.

Mit Blick aufs Zifferblatt hält sich Tag Heuer zurück. Statt die Vorlage neu zu interpretieren, bleibt es beim Bi-Compax-Layout mit zwei Totalisatoren. Auf drei Uhr sitzt die 30-Minuten-Anzeige, bei neun Uhr die kleine Sekunde, das Datumsfenster auf sechs Uhr. Die Nähe zum ursprünglichen Calibre-11-Modell ist kein Zufall, ebenso wenig die Hommage an die einst technisch notwendige links positionierte Krone.
Neues Werk am Werk
Immerhin soll die 2026er-Monaco nicht modern werden, indem sie ihre Vergangenheit verleugnet. Die ist grundsätzlich fein gearbeitet. Von einem Tippen auf das Gehäuse sei aber abgeraten. Dann macht sich mechanisches Spiel im Werk durch metallisches Klappern bemerkbar, was wirklich jeder, dem es gezeigt wird, für 9000 Euro als unpassend empfindet.

Dessen ungeachtet treibt sie ein tolles Werk an, das hauseigene Kaliber TH20-11, neu entwickelt für das Titangehäuse. Mit einer Frequenz von vier Hertz, 80 Stunden Gangreserve und fünfjähriger Garantie bietet es viel. Insbesondere die Ganggenauigkeit überrascht. Nach gut einer Woche am Arm war die mit einer Funkuhr eingestellte Uhr nur gut zwei Sekunden im Verzug. Die Krone ist verschraubt, 100 Meter respektive zehn bar Wasserdichtigkeit seien geboten. Fürs Schwimmbecken ist das beruhigend, mit Lederband sollte man das Nass dennoch meiden.
Jenes konnte im Tragetest nicht restlos überzeugen, hat man doch schon weicheres Leder auf der Haut getragen. Vielleicht muss es aber auch kneifen, wie ein Schalensitz eben. Und zum Schließen der Faltschließe muss der Grobmotoriker womöglich ein bisschen üben, sonst verabschiedet sich der Dorn immer wieder aus seinem Loch.
Nichts, was nicht zu schaffen wäre. Ein Rennfahrer würde auch nicht so schnell aufgeben. Was Steve McQueen damals war, ist Max Verstappen heute. Gut möglich, dass ihn die Historie dazu bewegte, eine Tag Heuer Monaco in seine Sammlung aufzunehmen. Und der holt sich ganz sicher kein Geraffel ins Haus. Schon gar nicht an den Arm.
