
Im Unterschied zu Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten verfügt Iran vorerst nicht über eine Pipeline, mittels derer es sein Öl im großen Stil ohne Durchfahrt der Straße von Hormus exportieren könnte, um die amerikanische Blockade zu umgehen.
Zwar hat das Land schon 2021 am Hafen von Jask im Golf von Oman einen Ölterminal eröffnet, der über eine Pipeline von Goreh nahe der Insel Kharq gespeist werden soll. Der Export wäre dann ohne Durchfahrt durch die Straße von Hormus möglich. „Aber die Pipeline und der Hafen sind de facto noch nicht in Betrieb“, heißt es in einem Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) vom Februar 2026.
Ende 2024 sei von Jask aus einmalig eine Testladung exportiert worden. „Der Terminal wird derzeit nicht als praktikable Exportoption für iranisches Rohöl betrachtet“, schreibt die IEA. Abgesehen davon schließt die US-Blockade den Hafen von Jask mit ein.
Nach iranischen Angaben soll die Pipeline künftig eine Kapazität von einer Million Barrel pro Tag haben. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr hat Iran laut der Ölmarktanalysefirma Kpler durchschnittlich 1,69 Millionen Barrel pro Tag exportiert.
Vorerst scheint es für Teheran aussichtsreicher, seine Öltanker mittels Täuschungsmanövern durch die amerikanische Blockade zu schleusen. Zwar gibt es auch alternative Handelsrouten über Nachbarländer wie die Türkei, Irak und Pakistan sowie das Kaspische Meer. Für signifikante Ölexporte fehlt aber die Infrastruktur.
Diese Alternativrouten spielen schon eher eine Rolle, wenn es darum geht, iranische Importe von Lebensmitteln und Industriegütern umzuleiten, die durch die US-Seeblockade aufgehalten werden. So hat Russland Weizenexporte an Iran teilweise über das Kaspische Meer umgeleitet. Irans Landwirtschaftsminister Gholamreza Nouri Ghezeljeh hat erklärt, dass das Land seine Importe von Lebensmitteln über den türkischen Hafen Mersin und über Zentralasien erhöhen werde.
Eine ebenso große Rolle spielen Vorräte, die Iran nach dem Zwölftagekrieg im vergangenen Juni angelegt hat. So soll es laut einem Bericht der Agentur Reuters zwischen Juli 2025 und Februar 2026 doppelt so viel Weizen aus Russland importiert haben als im gleichen Zeitraum im Jahr zuvor. Iranische Produzenten legen aufgrund ihrer jahrzehntelangen Erfahrungen mit Sanktionen grundsätzlich größere Vorräte an Vorprodukten und Rohstoffen an als Firmen in Europa oder den USA. Laut einer Analyse des Ökonomen Esfandyar Batmanghelidj von aktuellen Börsenberichten von mehr als 700 Unternehmen halten diese im Durchschnitt Vorräte für 96 Tage. Das erhöht Irans Fähigkeit, Engpässe auszuhalten.
