Im eskalierenden Konflikt in der nordäthiopischen Tigray hat eine mit der Regierung verbündete Miliz nach eigenen Angaben den Flughafen der Regionalhauptstadt von Rebellen zurückerobert. Sie habe nun die volle Kontrolle über den Flughafen von Mek’ele, schrieben die sogenannten Tigray-Friedenskräfte auf der Plattform X. »Wir räumen derzeit die Stadt Mek’ele.« Die Angaben ließen sich vorerst nicht unabhängig bestätigen. Das Büro des äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed äußerte sich zunächst nicht.
Kämpfer der Tigray-Volksbefreiungsfront (TPLF) hatten vergangene Woche mit einer Großoffensive gegen das Militär begonnen und bald darauf die Einnahme dreier Flughäfen in der Region gemeldet. Äthiopische Regierungstruppen und mit ihnen verbündete Gruppen starteten rasch Gegenangriffe. Falls sich die Meldung über die Rückeroberung des Airports von Mek’ele bestätigen sollten, wäre dies ein Rückschlag für die Rebellen.
Seit 2020 führten TPLF-Kämpfer und die äthiopische Zentralregierung einen Bürgerkrieg, der Ende 2022 mit einem Waffenstillstand endete. Die TPLF erkennt das Abkommen aber nicht mehr an. Sie hatte in Äthiopien fast 30 Jahre lang die Regierung gestellt. Ihre politische Vorrangstellung endete, als Abiy 2018 Ministerpräsident wurde.
Seit dem klaren Sieg von Abiys Partei bei der Parlamentswahl im Juni spitzen sich die Konflikte in der äthiopischen Politik wieder zu. Wenige Tage vor der von der TPLF gemeldeten Eroberung der Flughäfen hatte ein Bündnis aus mehreren, ideologisch unterschiedlichen Oppositionsgruppen angekündigt, Abiys Regierung stürzen zu wollen. In dem Zusammenschluss sind unter anderem die TPLF, die Oromo-Befreiungsarmee und die ethnisch-nationalistische Miliz Fano aus der Region Amhara vertreten.
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