Als Jürgen Klopp vor elf Jahren beim FC Liverpool begann, hatte er einige Botschaften mitgebracht. Dass er „The Normal One“ sei, also ein normaler Kerl, das haben sie am River Mersey und darüber hinaus nicht vergessen. Nicht einer von 83 Millionen vielleicht, aber eben einer von ihnen. Andere Aussagen sind nicht so in den Sprachgebrauch eingegangen, hatten indes eine nicht minder große Bedeutung.
Klopp sagte allen in Liverpool seinerzeit auch, dass sie von Doubters to Believers werden müssten, von Zweiflern zu Gläubigen. Das war gar nicht so einfach, vor allem bei Fans, die viele erfolglose Jahre hinter sich hatten und das Stadion oft vor Abpfiff verließen. Seit fast zweieinhalb Jahren ist Klopp nicht mehr Trainer des Klubs, aber am Ende seiner Zeit ließ sich eines erkennen: In Liverpool gab es mehr Gläubige, ziemlich viele sogar.
Seit einigen Wochen ist Klopp Bundestrainer. Nach der dritten vermaledeiten WM in Serie muss er nicht mehr die Scouser, wie die Menschen in und um Liverpool genannt werden, überzeugen, sondern am besten gleich eine ganze Fußballnation. Nun, am Tag vor dem ersten Länderspiel, an diesem Donnerstag (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Nations League und bei RTL) in den Niederlanden, ist er auf diesem Weg schon recht weit gekommen.
Für eine Mannschaft, die Ende Juni im Sechzehntelfinale an Paraguay scheiterte, ist die Erwartungshaltung erstaunlich hoch. Klopp hat dazu einiges beigetragen. Mit seiner Art, mit seinem Schwung, mit seinen mutigen Nominierungen und mit der Aussicht auf eine andere Spielweise. So geht er den Auftrag an, die Zweifel der Vergangenheit auch in der deutschen Nationalmannschaft in den Glauben an eine bessere Zukunft zu wandeln.
Als Klopp am Mittwochabend in der Amsterdamer Arena saß, ließ er keinen Zweifel daran, dass er fest daran glaubt, dass das gelingen könnte mit Spielern, die am Folgeabend die deutsche Elf, die erste unter Klopp, bilden werden. „Glaubt mir, die wollen unbedingt. Glaubt mir, das bedeutet ihnen alles.“ Ob allerdings dieser Glaube schon in den Niederlanden Berge versetzt, muss sich aber erst noch erweisen. Klopp glaubt trotzdem fest daran.
Über seine Aufstellung wollte Klopp noch nichts verraten. Dass Marc-André ter Stegen im Tor stehen wird, stand schon länger fest. Kapitän Joshua Kimmich kehrt ins Mittelfeld zurück, nachdem ihn Julian Nagelsmann vor allem als Rechtsverteidiger eingesetzt hatte. Einen von 24 Spielern muss er für das Spiel aus dem Kader nehmen, weil nur 23, darunter drei Torhüter, erlaubt sind. Wer das sein wird, verriet Klopp auch nicht.
Als Klopp im Oktober 2015 in Liverpool anfing, sprach er nicht nur über die Zweifel und den Glauben, er sagte auch: „Wenn ich in vier Jahren noch hier sitze, bin ich ziemlich zuversichtlich, dass wir einen Titel gewonnen haben.“ Klopp gewann Titel mit Liverpool, auch die ersehnte englische Meisterschaft.
Daran wurde er am Mittwoch erinnert. Zu einem abermaligen Versprechen wollte er sich nicht verleiten lassen. Ein EM-Titel 2028, ein WM-Titel 2030 mit Deutschland. So weit wollte Klopp doch nicht gehen. „Was ich versprechen kann, ist, dass man uns ansieht, dass wir es auf jeden Fall probieren wollen.“ Damit auch in Deutschland aus Zweiflern wieder Gläubige werden.
Trikot-Überraschung beim Klopp-Debüt: DFB spielt in Schwarz
Die Fußball-Nationalmannschaft wird beim Debüt von Bundestrainer Jürgen Klopp doch schon in dem Abschiedstrikot von Ausrüster Adidas spielen. Wie der DFB mitteilte, werden Joshua Kimmich und seine Kollegen am Donnerstag gegen die Niederlande das schwarze Shirt mit goldenen Längsstreifen tragen.
Eigentlich sollte das letzte Jersey des jahrzehntelangen DFB-Partners erst beim Rückspiel am 16. November in Berlin zum Einsatz kommen. Nun gab es aber offenbar eine Genehmigung für das neue Shirt durch die UEFA. Die Partie gegen Oranje ist der Auftakt zur Gruppenphase der Nations League. Ursprünglich hatte die DFB-Elf in der Johan Cruyff Arena in einem grünen Retro-Trikot spielen sollen, das an das Auswärtsshirt der WM 1990 erinnert.
Die goldenen Streifen in dem schwarzen Trikot sind aus kleinen Rauten zusammengesetzt. Sie stehen laut DFB „symbolisch für die mehr als 24.000 Fußballvereine in Deutschland, welche das Fundament des deutschen Fußballs bilden“, wie der Verband mitteilte. (dpa)
