Die ungarische Schach-Großmeisterin Judit Polgár hat das Angebot der Regierung abgelehnt, Präsidentin Ungarns zu werden. »Ich habe nicht das Gefühl, dass ich die Kraft habe, die historische Verantwortung für die Vereinigung einer gespaltenen Nation zu übernehmen«, schrieb Polgár auf Onlineplattformen. »Daher kann ich die Einladung nicht annehmen.«
Ungarns Regierungschef Péter Magyar hatte zuvor angekündigt, Polgár treffen und um die Übernahme des höchsten Staatsamtes bitten zu wollen. »Unser Land braucht Einheit, Frieden und einen Präsidenten, auf den alle Ungarn stolz sein können«, teilte Magyar mit. Die 49-jährige Polgár gilt als weltbeste Schachspielerin: Sie war rund ein Vierteljahrhundert lang die Weltranglisten-Erste der Frauen im Schach und bis heute die einzige Frau, die es unter die weltbesten Zehn aller Kategorien geschafft hatte.
Bisheriger Präsident abgesetzt
Der bisherige Präsident Tamás Sulyok, ein Vertrauter des im Mai abgewählten langjährigen Regierungschefs Viktor Orbán, hatte sein Amt aufgrund einer Verfassungsänderung verloren. Das ungarische Parlament hatte vergangene Woche eine Änderung verabschiedet, die seine Absetzung ermöglicht.
Sulyok kritisierte den Schritt, kündigte aber an, nicht dagegen vorgehen zu wollen. Am Samstag unterzeichnete er die Änderung, seit dem heutigen Montag ist das Präsidentenamt vakant. Geschäftsführende Präsidentin ist derzeit Parlamentschefin Agnes Forsthoffer. Ein neuer Staatschef soll binnen 30 Tagen vom Parlament gewählt werden.
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