
Zwei Tage Abwesenheit während einer Sitzungswoche sind im Bundestag keine ungewöhnliche Sache, selbst wenn sie private Gründe hat. Nicht einmal wenn es um den Haushaltsausschuss geht, den wichtigsten Ausschuss des Parlaments. Aber wenn es um Jens Spahn geht, gelten offenbar besondere Regeln.
Der über die Leihmutteraffäre gestürzte Fraktionsvorsitzende ist offenbar einigen Abgeordneten zu schnell an eine begehrte Stelle der Fraktionsarbeit zurückgekehrt. Selbst in einem so abgeklärten Bezirk wie der Parteipolitik gilt schließlich das Ritual der Buße.
Erst Glückwünsche, dann Empörung
Schon sein Rücktritt vom Fraktionsvorsitz – weil er das eine gesagt hatte, aber das andere tat – hatte einen etwas gequälten Hintergrund. Erst Glückwünsche von (fast) allen Seiten, dann riesengroße Empörung. Die Selbstüberschätzung Spahns wurde nur noch dadurch übertroffen, dass die Stimmung in der Partei, wenn überhaupt, dann nur langsam nach Berlin vordringt.
Noch hat Spahn, der jetzt sein Amt im Haushaltsausschuss niederlegte, nachdem Fotos von ihm als Vater während einer Stippvisite auf Sardinien bekannt wurden, nicht aufgegeben. Er vertraut offenbar darauf, dass die CDU auf ein Talent wie ihn nicht verzichten könne. Die CDU ist allerdings nicht in einer so kraftvollen Verfassung, dass sie erstens Sinn für Talente und zweitens auch noch Energie hätte, sie gegen Angriffe zu verteidigen.
