Das von Jeff Bezos gegründete Raumfahrtunternehmen Blue Origin hat einen schweren Rückschlag erlebt: Eine seiner Raketen des Typs New Glenn ist bei einem Test auf seiner Startrampe am Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida explodiert. Die Explosion führte zu einem riesigen Feuerball und dürfte die Startrampe schwer beschädigt haben. Nach Angaben der Betreiber des Weltraumbahnhofs wurde niemand bei dem Unfall verletzt.
Die Explosion könnte nicht nur für Blue Origin erhebliche Konsequenzen haben, sondern für die ganze amerikanische Raumfahrt. Blue Origin spielt eine Rolle im Projekt Artemis, mit dem die US-Raumfahrtbehörde NASA zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder Astronauten zum Mond bringen will. Ebenso wie SpaceX soll Blue Origin im Auftrag der NASA eine Landefähre entwickeln, und diese Landefähre soll von der Rakete New Glenn ins Weltall gebracht werden.
Erst vor wenigen Wochen fand Artemis II statt, die erste bemannte Mission im Mondprogramm der NASA. Dabei umrundeten die Astronauten in einem Raumschiff den Mond, landeten aber noch nicht. Beim nächsten Flug Artemis III soll das Andocken dieses Raumschiffs an eine Landefähre geübt werden, und dabei soll nach Angaben der NASA eine der Landefähren von Blue Origin oder SpaceX zum Einsatz kommen, möglicherweise sogar beide. Diese Mission ist im Moment für 2028 geplant. Noch im gleichen Jahr soll es dann im Rahmen der Mission Artemis IV zu einer Mondlandung kommen.
Zeitplan für Artemis in Gefahr?
Dieser Zeitplan könnte nach dem Unfall von Blue Origin in Gefahr geraten. Auch die Landefähre von SpaceX ist noch nicht einsatzfähig. Musks Unternehmen will dafür eine Variante seiner Rakete Starship verwenden, die im Moment noch in der Testphase ist. Erst in der vergangenen Woche fand der zwölfte Testflug statt. Er war zwar weitgehend erfolgreich, allerdings kam es auch zu einigen Störungen. Die US-Flugaufsicht FAA hat deshalb eine Untersuchung angeordnet und erst einmal weitere Testflüge der Starship-Rakete untersagt.
Der NASA-Chef Jared Isaacman deutete auf X an, dass die Explosion der Rakete von Blue Origin Auswirkungen auf das Artemis-Programm haben könnte. Er sagte, die Entwicklung solcher Raketen sei „außerordentlich schwierig“, und er kündigte eine „gründliche Untersuchung dieser Anomalie“ an.

Zu der Explosion kam es am Donnerstagabend gegen 21 Uhr Ortszeit bei einem Test der Triebwerke. Die Ursache ist Bezos zufolge noch nicht bekannt. Die Rakete sollte für einen Flug im Juni vorbereitet werden. Bei dieser Mission sollte sie 48 Satelliten für den ebenfalls von Bezos gegründeten Onlinehändler Amazon ins Weltall bringen. Amazon baut ein Netzwerk von Satelliten auf, das Internetzugänge aus dem All zur Verfügung stellt. Dieses Projekt heißt Leo und konkurriert mit Starlink von SpaceX. Die 48 Amazon-Satelliten waren noch nicht an Bord der zerstörten Rakete.
New Glenn ist noch eine recht neue Rakete. Sie hat bislang drei Starts hinter sich, und die Bilanz ist gemischt. Beim ersten Start Anfang 2025 schaffte sie es ins Weltall, anders als erhofft konnte aber die erste Raketenstufe nicht zurück auf die Erde gebracht werden. Dies gelang Blue Origin beim zweiten Flug im vergangenen November, den das Unternehmen im Auftrag der NASA absolvierte. Der dritte Flug im April verlief wieder nicht fehlerfrei. Es war die erste kommerzielle Mission im Auftrag eines Satellitenanbieters, und Blue Origin schaffte es nicht, den Satelliten an den gewünschten Ort im Weltraum zu bringen.
Eine ähnliche Explosion, wie sie Blue Origin jetzt erlebte, ist auch SpaceX schon passiert. Im Juni vergangenen Jahres explodierte eine Starship-Rakete auf der Startrampe des Weltraumbahnhofs von SpaceX in Texas.
Blue Origin ist älter als SpaceX
Bezos hat Blue Origin schon im Jahr 2000 gegründet. SpaceX entstand erst 2002, hat sich aber deutlich schneller einen Namen gemacht und absolviert seit Jahren Missionen für die NASA. Blue Origin war in den vergangenen Jahren vor allem für kürzere Flüge mit Weltraumtouristen in seiner kleineren Rakete New Shepard bis zur Kármán-Linie bekannt, die hundert Kilometer über dem Meeresspiegel liegt und oft als Grenze zwischen der Erdatmosphäre und dem Weltraum beschrieben wird. Im Januar kündigte das Unternehmen aber an, diese Flüge für mindestens zwei Jahre auszusetzen, um sich stärker auf seine Mondprojekte konzentrieren zu können.
Blue Origin wird seit seiner Gründung vor allem von Bezos selbst finanziert. SpaceX bereitet gerade seinen Börsengang vor und will dabei Medienberichten zufolge 75 Milliarden Dollar einsammeln. In der vergangenen Woche hat SpaceX seinen Börsenprospekt vorgelegt, und der Börsengang wird am 12. Juni erwartet.
Einem Bericht der Nachrichtenagentur „Bloomberg“ zufolge hat SpaceX jetzt die Erwartungen an den Börsengang etwas nach unten korrigiert. Das Unternehmen soll demnach nun eine Bewertung von 1,8 Billionen Dollar anpeilen, bislang habe es auf zwei Billionen Dollar gehofft. Die Korrektur habe SpaceX nach Gesprächen mit Beratern und Investoren vorgenommen. Es sei allerdings möglich, dass die Zielbewertung wieder erhöht werde, hieß es weiter.
Selbst mit einer Marktkapitalisierung von 1,8 Billionen Dollar würde SpaceX zu den zehn wertvollsten börsennotierten amerikanischen Unternehmen gehören. Dabei ist Musks Raumfahrtspezialist bislang defizitär. Für das vergangene Jahr wies er bei einem Umsatz von 18,7 Milliarden Dollar einen Nettoverlust von 4,9 Milliarden Dollar aus.
