In Japan, so das Klischee, gibt es für nahezu jedes menschliche Bedürfnis einen Automaten. Da verwundert es nicht, dass man dort auch für die Klimakrise eine pragmatische Lösung gefunden hat: eine Ein-Personen-Kühlkabine, die halb nach Telefonzelle, halb nach Getränkeautomat aussieht.
Anlass für ein solches Objekt besteht durchaus. Der japanische Sommer stand dem deutschen in Sachen Hitze in nichts nach; es war sogar so heiß, dass in Tokio drei Löwinnen in einem Zoo starben, vermutlich an einem Hitzschlag. Im Juli kamen landesweit mehr als 13.000 Menschen mit hitzebedingten Beschwerden ins Krankenhaus. Die Situation ist so ernst, dass die Wetterbehörde für Tage mit Temperaturen von mehr als 40 Grad sogar ein neues Wort eingeführt hat: „kokushobi“ (deutsch ungefähr: „brutal heiß“).
Nach dem Vorbild gekühlter Getränkeautomaten hat der Hersteller SDRS jetzt gemeinsam mit dem Händler Trusco Nakayama die „Do Hiemon Box“ vorgestellt: eine 1,75 Meter hohe Edelstahlkabine auf Rollen, die Menschen kühlen soll. Im Inneren befindet sich ein schmaler Sitzplatz. Aus Öffnungen an der Ober- und Rückseite strömt kalte Luft auf Kopf, Hals und Schultern, die die Hauttemperatur um einige Grad senken soll. In der Kabine herrschen 15 Grad. Nach spätestens 20 Minuten schaltet sie sich deshalb vorsorglich ab, damit aus überhitzten Menschen nicht versehentlich Kühlware wird.
Gedacht ist das kuriose Gerät in erster Linie für Menschen, die körperliche Arbeit unter der sengenden Sonne verrichten. Abgesehen von Baustellen soll es aber auch in Lagerhallen, Schulen oder Konzerthallen zum Einsatz kommen. Es lässt sich an eine gewöhnliche Steckdose anschließen, soll nur halb so viel Energie wie eine mobile Klimaanlage verbrauchen, kostet dafür aber ungefähr so viel wie ein Kleinwagen. Als Notfallmaßnahme ist das vermutlich gar nicht dumm, zumal Arbeitgeber in Japan neuerdings verpflichtet sind, Arbeiter vor Hitzschlag zu schützen.
Dennoch bleibt ein fader Nachgeschmack. Denn ein wenig erinnert die Kühlzelle an Science-Fiction-Filme, in denen die Menschheit ihren Planeten erfolgreich unbewohnbar gemacht hat. Schon heute treiben Klimaanlagen und Kühlaggregate die Treibstoffemissionen nach oben; seit 2015 ist der globale Strombedarf fürs Kühlen um etwa die Hälfte gestiegen. Je heißer es wird, desto mehr wird gekühlt – und je mehr mit fossiler Energie gekühlt wird, desto heißer wird es.
Dass sich der Menschenkühlschrank auch im Alltag der Japaner durchsetzen wird, darf indes bezweifelt werden. Die meisten haben schließlich schon eine Lösung gegen die Hitze gefunden: Sie gehen einfach in einen der vielen klimatisierten Convenience Stores.
