
Bei einer künstlichen Befruchtung am San-Raffaele-Krankenhaus in Mailand kam es zu einem Fehler. Einer Frau ist wegen einer Namensverwechslung ein falscher Embryo eingesetzt worden. Der Vorfall ereignete sich Medienberichten zufolge am Vormittag des 23. Juli. Zwei Paare hatten aufeinander folgende Termine zum Transfer eines mittels In-vitro-Fertilisation (IVF) erzeugten Embryos. Der Frau mit dem ersten Termin wurde versehentlich der Embryo der Frau mit dem anschließenden Termin eingesetzt.
In der Klinik sind alle solchen Eingriffe vorübergehend gestoppt worden: Am Freitag teilten das Mailänder Gesundheitsamt und das Gesundheitsministerium in Rom mit, dass alle Tätigkeiten der Fachabteilung der Klinik für die Dauer von zunächst 15 Tagen ausgesetzt seien. Dies betreffe die Fertilisation von Eizellen im Labor, das Herstellen einer Embryokultur sowie den Embryotransfer.
Der Irrtum wurde in der Klinik offenbar schon nach acht Minuten festgestellt. Wie „La Repubblica“ berichtet, fiel der Fehler einer Mitarbeiterin auf, die den Namen nochmals kontrollierte. Das betroffene Paar entschloss sich am 24. Juli, dass der tags zuvor eingesetzte Embryo mittels Vakuumaspiration (Absaugung) bei einem neuerlichen Eingriff entfernt werden sollte.
Das zweite Paar erfuhr zunächst nichts von dem Irrtum
Das nachfolgende Paar erfuhr zunächst nichts von dem Irrtum. Stattdessen wurde der Frau bei ihrem Termin ein zweiter Embryo in die Gebärmutter eingesetzt, der von den beiden stammte. Dass sie das Paar zunächst nicht über den „schwerwiegenden Zwischenfall aufgrund einer Verwechslung“ informierte, begründete die Klinik damit, dass sie „emotionalen und psychischen Stress“ vermeiden wollte, „in den Tagen, in denen die Einnistung des Embryos stattfinden könnte“. Inzwischen sei das Paar in Kenntnis gesetzt worden.
Wie es zu der Verwechslung kommen konnte, muss nun geklärt werden. Nach Medienberichten waren weder Personalmangel noch ein Schichtwechsel der Grund. Beide Eingriffe wurden vom gleichen Team vorgenommen. Die Verwechslung müsse das Ergebnis einer Kette von Fehlern gewesen sein, weil an mehreren Schritten des Prozesses – von der Terminplanung über die OP-Vorbereitung bis zum tatsächlichen Eingriff – der Irrtum nicht entdeckt wurde.
Im Durchschnitt nistet sich ein Embryo nach einem operativen Transfer in 30 bis 40 Prozent der Fälle tatsächlich in der Gebärmutter ein. In Italien versuchen jedes Jahr mehr als 80.000 Paare, durch künstliche Befruchtung ein Kind zu bekommen. Das IVF-Zentrum der San-Raffaele-Klinik gilt als eines der modernsten Zentren für Reproduktionsmedizin des Landes, das auch die komplexesten Techniken anbietet. Im ganzen Land gibt es etwa 300 IVF-Zentren. Die meisten befinden sich in Kliniken im wirtschaftsstarken Norden des Landes.
