Israels Armee hat erstmals seit Verkündung der Waffenruhe im Libanon fast alle Einwohner der Küstenstadt Tyrus und umliegender Orte zur Flucht aufgerufen. Als Grund nannte ein Militärsprecher auf X bevorstehende Angriffe gegen die Terrormiliz Hisbollah. Er forderte die Menschen auf, sich nördlich des Sahrani-Flusses zu begeben, der etwa 40 Kilometer von der israelisch-libanesischen Grenze verläuft.
Unter den Einwohnerinnen und Einwohnern von Tyrus brach Panik aus. Viele
flüchteten sich an den Strand. Augenzeugen berichteten der
Nachrichtenagentur dpa, wie sich lange Staus in Richtung Norden
bildeten. Zuvor hatte das israelische Militär bereits Bewohner der Stadt
Nabatija
und anderer Orte im Süden des Libanons zur Flucht aufgerufen.
Tyros liegt deutlich hinter der Pufferzone
Libanesische Sicherheitskreise deuteten den Evakuierungsaufruf für die Bewohner in Tyrus als Zeichen dafür, dass die israelische Armee den Umfang ihrer Einsätze ausweiten wolle. Bereits am Dienstag hatte Israel angekündigt, auch nördlich der sogenannten gelben Linie im Süden des Libanon anzugreifen. Mit der gelben Linie meint die israelische
Armee die Abgrenzung zu einer Art Pufferzone im Süden des Libanon, die
rund zehn Kilometer hinter der Grenze liegt. Tyros liegt zwanzig Kilometer hinter der israelisch-libanesischen Grenze.
Die aktuelle Waffenruhe-Vereinbarung, die seit Mitte April gilt, erlaubt Israel Verteidigungsmaßnahmen gegen geplante, unmittelbar bevorstehende oder andauernde Angriffe. Sie untersagt jedoch offensive Einsätze auf libanesischem Gebiet. Die Konfliktparteien werfen sich gegenseitig vor, gegen diese Vereinbarung zu verstoßen.
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