
In Israel ist es am Mittwochabend zu gewalttätigen Ausschreitungen gegen einen Richter am Obersten Gericht gekommen. Wie mehrere israelische Medien berichten, soll ein Mob von Ultraorthodoxen erhebliche Sachschäden auf dem Grundstück des Richters Noam Sohlberg angerichtet haben.
Extremistische Demonstranten schlugen Fenster ein, beschädigten sein Auto und versuchten offenbar, in Sohlbergs Haus einzubrechen, bevor sie versuchten, vom Tatort zu fliehen, berichtet die „Jerusalem Post“. Das Portal „ynet“ schreibt, dass es sich um mehr als 50 ultraorthodoxe Juden gehandelt habe, die die Familie des Richters terrorisierten. Die Polizei konnte mehr als 50 Radikale festnehmen, als sie versuchten, mit einem Bus zu fliehen.
„Kinder von Holocaust-Überlebenden, Juden, die sich gegenseitig so verletzen“, zitiert „ynet“ dessen Frau Meira. „Wie kann das sein, wie kann das sein? Seht euch diese Zerstörung an, ein Pogrom, was ist das, die Reichspogromnacht? Wie ist das möglich?“
Israels Präsident verurteilt die Tat
Hintergrund ist wohl eine Anordnung des Richters zur verstärkten Verhaftung von Wehrdienstverweigerern. Die israelische Armee hatte im Juli 2025 angekündigt, 54.000 Einberufungsbefehle an ultraorthodoxe junge Männer zu verschicken. Ultraorthodoxe Juden (Haredim) in Israel sind durch ein Urteil des Obersten Gerichts gesetzlich zum Wehrdienst verpflichtet, nachdem ihre jahrzehntelange Befreiung für Tora-Studenten endete.
Das Büro des Premierministers teilte mit, dass Benjamin Netanjahu Sohlberg angerufen habe, um sich nach dessen Befinden zu erkundigen und zu fragen, ob er Anzeige gegen die Eindringlinge erstatten werde. Auf der Plattform X hieß es, der Ministerpräsident wiederholte seine schärfste Verurteilung des Angriffs gegen ihn und seine Familie. Man werde „hart gegen die Aufrührer vorgehen“.
Auch Präsident Isaac Herzog sprach mit Sohlberg. „Aufstachelung, Drohungen und Sachbeschädigung am Haus eines Richters in Israel sind kein Protest – sie stellen die Überschreitung einer gefährlichen roten Linie dar. Wer versucht, die Justiz einzuschüchtern, schadet nicht nur einer Person, sondern den Grundfesten der israelischen Demokratie“, sagte er.
