
Anderthalb Jahre nach dem blutigen Anschlag von Villach hat das Landesgericht Klagenfurt den Täter zu lebenslanger Haft verurteilt. Der heute 24 Jahre alte Syrer hatte am 15. Februar 2025 im Zentrum der Stadt im österreichischen Kärnten einen 14 Jahre alten Schüler mit einem Messer getötet und fünf weitere Menschen teils lebensgefährlich verletzt. Vor Gericht zeigte der Mann keinerlei Reue und gab auf Nachfrage des Richters sogar an, wieder Menschen töten zu wollen.
Die Geschworenen befanden ihn nach nur einem Verhandlungstag einstimmig des Mordes, des fünffachen Mordversuchs und terroristischer Straftaten für schuldig. Für die Höchststrafe sprach laut Gericht auch die heimtückische und grausame Tatbegehung sowie die Tatsache, dass das Opfer noch jugendlich war.
Der Angeklagte war 2020 als Asylbewerber nach Österreich gekommen, da er sich als syrischer Kurde dem Wehrdienst in der Armee des damaligen Machthabers Baschar al-Assad entziehen wollte. Bis 2024 soll er weitgehend unauffällig mit seinem Bruder zusammengelebt haben, bis er über das Netzwerk TikTok mit Propagandavideos der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) in Berührung kam. Die Staatsanwältin sprach im Prozess laut Agenturberichten von einer „Blitzradikalisierung“.
Ein anderer Syrer stoppte den Angreifer
Am Tattag war der Mann zunächst durch die Villacher Innenstadt gelaufen und hatte sich schließlich einer Gruppe von Schülern genähert. Er zog sein erstes Opfer, den 14 Jahre alten Jungen, laut Anklage von hinten zu sich und stach ihm mit einem Klappmesser in den Brustbereich. Für den Schüler kam jede Hilfe zu spät.
Unmittelbar darauf stach er auf einen 15 Jahre alten Jungen ein, den er lebensgefährlich verletzte. Ein dritter Schüler konnte sich nur durch Glück vor einem Angriff retten. Insgesamt verletzte der Angeklagte sechs Männer im Alter von 14 bis 33 Jahren, bis ihn ein ebenfalls aus Syrien stammender Essenslieferanten aufhielt, indem er den Bewaffneten mit seinem Auto anfuhr.
Eigentlich wollte er noch mehr Menschen töten
Zwei Tage vor der Tat hatte der Attentäter ein Video aufgenommen, in dem er, vor einer IS-Fahne stehend, der Terrororganisation die Treue schwor. Schon in der polizeilichen Vernehmung kurz nach der Tat hatte er angegeben, er sehe sich als „Krieger des IS“, der das Ziel habe, westliche Männer zu töten, wodurch sich auch die Auswahl seiner Opfer erkläre. Das Einzige, was er bereue, sei, dass er nicht selbst gestorben sei, sagte er damals.
Im Prozess gab er auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft an, er habe eigentlich sogar noch mehr Menschen töten wollen und andere Anschlagspläne überlegt, doch habe er keinen Zugang zu anderen Waffen wie einem Sprenggürtel gehabt. Die Frage des Richters, ob er die Tat bereue, verneinte der Angeklagte. Anschließend nickte er, als er weiter gefragt wurde, ob er eine solche Tat wieder begehen würde, wenn er die Gelegenheit dazu hätte.
