
Nach der Einigung ist vor der Einigung. Man muss sich nicht an eherne Fußballweisheiten erinnern, um zu erkennen, wie brüchig die Einigung zwischen den Vereinigten Staaten und Iran auf ein Rahmenabkommen ist. Vorsicht ist angebracht, ob beide Länder tatsächlich auf ein Ende des Krieges zusteuern. Doch ist die Erleichterung, die sich an den Finanzmärkten breit- machte und die mit einem Fall der Öl- und Gaspreise einherging, gerechtfertigt. Jede nur kleinste Hoffnung, dass der Krieg ein Ende findet, ist wirtschaftlich sehr wichtig.
Der amerikanische Präsident Trump hat mit dem Angriff auf Iran der Weltwirtschaft schweren Schaden zugefügt, ohne einen erkennbaren politischen Gewinn daraus zu ziehen. Die höheren Energiepreise und Knappheiten belasten global und vor allem in Asien Verbraucher und Unternehmen. Die Risiken für die Düngerversorgung bedrohen die Ärmsten der Armen. Nicht zuletzt verschärft der Konflikt die schwierige fiskalische Lage in vielen Industriestaaten, weil Politiker in Krisenzeiten das Füllhorn noch weiter öffnen. Auch diese Unart treibt langfristige Zinssätze in die Höhe.
Zeit und Kraft für Angebotspolitik
Auf eine schnelle Linderung der wirtschaftlichen Belastungen darf niemand hoffen, selbst wenn die Einigung mit Leben erfüllt würde. Es braucht Zeit, bis die globale Energielogistik wieder rund läuft und bis die Schäden an der Öl- und Gasinfrastruktur am Golf repariert sein werden. Es braucht Zeit, bis der Energiepreisschock sich durch alle Stufen der Wirtschaft durchgearbeitet haben wird. So lange droht das Risiko der weiter steigenden Inflation. So lange sind Rufe nach einem Verzicht auf weitere Zinserhöhungen verfrüht.
Für den deutschen Steuerzahler kommt die Aussicht auf eine baldige Beilegung des Konflikts nicht einen Tag zu früh. Der Tankrabatt endet bald. Er hat die Last der höheren Energiepreise nicht verringert, sondern nur auf die Schultern der Steuerzahler umverteilt. Niedrigere Ölpreise jetzt können helfen, die Verlockung neuer fiskalischer Geschenke an Energieverbraucher zu vermeiden. Das lässt der Politik mehr Kraft, sich den wirklich wichtigen Dingen wie der Angebotspolitik zu widmen.
