
Der Chef des Agrar- und Pharmakonzerns Bayer, Bill Anderson, hat angesichts des Krieges in Iran und der Blockade der Straße von Hormus vor weltweiten Ernteausfällen und steigenden Lebensmittelpreisen gewarnt. Durch die wichtige Schifffahrtsroute laufe rund ein Drittel des Welthandels mit stickstoffbasiertem Dünger, sagte der Manager dem Nachrichtenportal „t-online“ in einem am Freitag veröffentlichten Interview laut Vorabbericht. Bleibe die Meerenge blockiert, könne dies bereits im Herbst zu deutlich geringeren Ernten auf der Nordhalbkugel führen. Dies treffe auch den Agrar- und Pharmakonzern, obwohl Bayer selbst keinen Dünger herstelle. Zudem drohten durch den Düngermangel bei Mais Engpässe beim Tierfutter, was Fleisch, Eier und andere Lebensmittel verteuern könne.
Zugleich übte der Konzernchef deutliche Kritik an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland. Das Land stehe vor massiven Herausforderungen und leide unter einem „massiven Standortnachteil“. Als Gründe nannte Anderson hohe Lohnnebenkosten, ein lähmendes Maß an Bürokratie sowie hohe Energiekosten. Der Strompreis sei hierzulande mehr als dreimal so hoch wie an der texanischen Golfküste und mehr als doppelt so hoch wie in China. Entlastungen sehe er trotz vieler Diskussionen nicht, stattdessen nähmen Berichtspflichten und Regulierungen weiter zu.
Mit Blick auf die Bundesregierung zeigte sich der Manager jedoch diplomatisch. Bundeskanzler Friedrich Merz sei sehr klug und habe viel Erfahrung in Politik und Wirtschaft. Er wolle sich nicht pauschal über die Regierung beschweren, da diese es derzeit nicht leicht habe, sagte Anderson. Um den deutschen Erfindergeist wieder zu wecken, brauche das Land jedoch eine inspirierende Mission. „Der deutsche Erfindergeist schläft vielleicht gerade. Aber er ist nicht tot. Die Aufgabe von Führung ist, ihn zu wecken – nicht zu erklären, warum etwas nicht geht“, so Anderson.
