
Den Vereinigten Staaten ist es gelungen, Iran teilweise vom internationalen Flugverkehr abzuschneiden. Finanzminister Scott Bessent hatte am Montag Luftfahrtdienstleistern mit Sekundärsanktionen gedroht, sollten sie iranischen Fluggesellschaften weiterhin Treibstoff und Landedienstleistungen gewähren oder Tickets für sie verkaufen. Von Mittwoch an werde Iran komplett aus dem internationalen Flugverkehr ausgeschlossen, behauptete Bessent in einem Interview mit dem Sender CNBC voraus.
Irans wichtigster Handelspartner China will sich allerdings nicht daran halten. In Teheran starteten am Mittwoch laut dem dortigen Flughafen Flüge nach Shanghai und Guangzhou. Auch wurden weiterhin Tickets nach Peking verkauft. Die chinesische Regierung bezeichnete die US-Sanktionen als „illegal“. Laut Tracking-Apps gab es außerdem Flüge nach Russland, in die Türkei, nach Afghanistan und Thailand. Andere Länder stellten aber den Flugverkehr mit Iran ein. Laut iranischen Staatsmedien zählen dazu unter anderem Indien, Aserbaidschan und Oman. Das Wirtschaftsmedium „Eqtesad Online“ berichtete, auf Buchungswebsites seien auch keine Direktflüge nach Georgien, Bahrain, Qatar und Kuwait mehr zu haben.
Die Türkei hat den Flugverkehr zum Nachbarland zwar eingeschränkt, aber nicht vollkommen eingestellt. Damit bleiben Istanbul und Dubai die wichtigsten Drehkreuze für Flüge von und nach Iran, allerdings mit stark reduzierten Kapazitäten. Das könnte die Tickets für die meisten Iraner unerschwinglich machen. Iranische Geschäftsleute werden damit noch stärker vom Weltmarkt abgeschnitten. Für im Ausland lebende Iraner wird es noch schwerer, ihre Familien zu besuchen. Und für die iranische Mittelklasse wird es noch schwerer, Urlaub im Ausland zu machen.
Eine britische Firma in Bagdad will keine Iran-Flüge abfertigen
Auf türkischen Druck hin hatte die iranische Gesellschaft Mahan Air von Montag an alle Verbindungen nach Istanbul und Ankara eingestellt. Die türkischen Fluggesellschaften AJet und Pegasus strichen laut türkischen Medienberichten verbliebene Flüge nach Iran. Die größte türkische Fluggesellschaft Turkish Airlines hatte Iran bereits seit Beginn des Irankrieges im Februar nicht mehr angeflogen.
Schon vor zwei Wochen hatte das amerikanische Finanzministerium drei türkische Luftfrachtdienstleister wegen Geschäften mit Mahan Air sanktioniert. Die Regierung in Ankara hält sich bedeckt, weil sie zwar ihre engen Beziehungen zum amerikanischen Präsidenten nicht gefährden, aber auch Teheran nicht öffentlich verprellen will. Allerdings hat die Türkei kürzlich auf amerikanischen Druck hin die Betriebslizenz der iranischen Bank Mellat widerrufen.
Auch den Irak bringen die US-Sanktionsdrohungen in eine schwierige Lage, weil das Land sowohl um auskömmliche Beziehungen zu Teheran als auch zu Washington bemüht ist. Laut der iranischen Luftfahrtbehörde werden in der irakischen Hauptstadt Bagdad keine Flüge aus Iran mehr abgewickelt. Ein Sprecher betonte aber, Grund dafür sei nicht die Position der irakischen Regierung, sondern eines britischen Flughafendienstleisters in Bagdad. Es gebe Bemühungen, die Flüge nach Nadschaf umzuleiten.
In die EU gibt es seit 2024 keine Iran-Flüge mehr
Ziele in der Europäischen Union fliegen iranische Fluggesellschaften wegen EU-Sanktionen schon seit 2024 nicht mehr an. Die neuen US-Maßnahmen führen laut dem iranischen Gesundheitsministerium bereits zu Engpässen bei Lieferungen mit lebenswichtigen Medikamenten aus Indien. Nach Angaben des iranischen Zolls kamen bislang 60 Prozent der Medikamentenimporte über den Luftweg ins Land.
Die iranische Luftfahrtindustrie ist seit Jahrzehnten gebeutelt von amerikanischen Sanktionen und hat Schwierigkeiten, neue Maschinen oder Ersatzteile zu beschaffen. Während des jüngsten Krieges wurden nach offiziellen Angaben 92 Flugzeuge beschädigt und acht zerstört.
