Nachdem sich ihr Gesundheitszustand stark verschlechtert hat, ist die iranische Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi aus der Haft in ein Krankenhaus verlegt worden. Nach Angaben ihres Anwalts Mostafa Nili leidet sie seit längerem an
Herzrhythmusstörungen, am Freitag sei sie jedoch plötzlich
zusammengebrochen. Nili schrieb auf X von starken Schmerzen im Brustbereich.
Der Zustand der 54-Jährigen habe sich »katastrophal
verschlechtert«, teilte ihre Stiftung mit. Zuvor sei sie in
der Haftanstalt Sandschan im Nordwesten des Landes zweimal in Ohnmacht gefallen. In der Nähe des Gefängnisses sei sie nun in ein Krankenhaus gebracht worden, gab ihr Anwalt an. Angesichts der Schwere ihrer Erkrankung benötige sie jedoch die Behandlung durch ihre eigenen Fachärzte, sagte Nili.
Erst am Donnerstag hatte die Narges-Mohammadi-Stiftung gewarnt, die
Friedensnobelpreisträgerin sei in »akuter Gefahr«. Sie leide unter
anhaltenden Brustschmerzen und hohem Blutdruck. Auf Medikamente habe sie
nicht angesprochen und in kurzer Zeit rund 20 Kilogramm Gewicht
verloren, hieß es in einem Bericht der Stiftung.
Mohammadi hatte Ende März einen Herzinfarkt
Im vergangenen Monat hatte sich ihr Bruder Hamid-Reza Mohammadi besorgt über den Gesundheitszustand seiner Schwester geäußert.
Sie sei nach einem Herzinfarkt Ende März stark geschwächt und habe
deutlich an Gewicht verloren. Das bestätigte auch Mohammadis Anwaltsteam. Die Familie äußerte daraufhin große
Sorgen, insbesondere, da die medizinische Versorgung im Gefängnis
unzureichend sei.
Vergangenes Jahr war die
Nobelpreisträgerin aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend aus ihrer
Haft im Evin-Gefängnis bei Teheran freigelassen worden. Nach Angaben von
Menschenrechtsgruppen hatte Mohammadi bereits zuvor während ihrer
Haft mehrere Herzinfarkte erlitten. 2022 habe sie sich einer
Notfalloperation unterziehen dürfen. Den Iran darf sie nicht mehr verlassen, wie sie im vergangenen Herbst selbst mitteilte.
Mohammadi ist in den vergangenen
25 Jahren wiederholt vor Gericht gestellt und inhaftiert worden – zuletzt war sie im Februar zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt worden. 2023
wurde sie für ihren Einsatz für Menschenrechte mit dem
Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Den Preis nahmen damals
stellvertretend ihre beiden Kinder entgegen.
