10.000 Dollar für die Olympia-Teilnahme: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) beteiligt erstmals in seiner 132-jährigen Geschichte Sportlerinnen und Sportler direkt an seinen Einnahmen. Bei der 146. Vollversammlung am Mittwoch in Lausanne wurde die überraschend vorgestellte Maßnahme beschlossen. Beantragen können den sogenannten „Fit for the Future Olympian Grant“ bereits Sportler, die in diesem Jahr an den Winterspielen von Mailand/Cortina d’Ampezzo teilgenommen haben.
Dieser Zuschuss solle die sportliche Laufbahn oder den Übergang in die berufliche Karriere nach dem Sport unterstützen, erklärte das IOC. Hierfür wurde ein Fonds mit einem Volumen von 140 Millionen Dollar pro Olympiade eingerichtet. Das gab der Spanier Pau Gasol, Vorsitzender der IOC-Athletenkommission und ehemaliger Weltklasse-Basketballer, bekannt.
Wer anspruchsberechtigt ist – und wer nicht
IOC-Präsidentin Kirsty Coventry, zweimalige Schwimm-Olympiasiegerin, hatte sich im Vorfeld abwehrend zur finanziellen Beteiligung von Athletinnen und Athleten geäußert. Am Mittwoch sagte sie: „Das ist schon seit vielen Jahren ein Gesprächsthema, und ich bin außerordentlich stolz darauf, dass wir dies nun umsetzen können.“
„Es ist kein Preisgeld“, betonte Gasol: „Es geht darum, den Weg und den Einsatz zu würdigen, die nötig sind, um Olympionike zu werden.“
Alle Olympioniken sind anspruchsberechtigt, sofern sie nicht gegen Anti-Doping-Bestimmungen, den Ethikkodex des IOC, die Teilnahmebedingungen oder die Olympische Charta verstoßen haben, stellte das IOC klar. Die Ringe-Organisation werde nun „das Antrags- und Auszahlungsverfahren für den Zuschuss ausarbeiten“. Ziel sei, das Antragsverfahren für Teilnehmer an den Spielen von Mailand und Cortina 2026 Ende dieses Jahres zu eröffnen, sodass die ersten Zahlungen im Jahr 2027 erfolgen können.

Zuvor hatte das IOC entschieden, die Olympischen Sommerspiele 2036, um die sich auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bewirbt, 2029 zu vergeben. Mit der Entscheidung einher geht eine Reform des Vergabeprozess, den die seit einem Jahr amtierende IOC-Präsidentin Kirsty Coventry angeregt hatte.
Im Kern soll durch die Reform einerseits eine Vorauswahl getroffen und andererseits die Gesamtheit der IOC-Mitglieder (derzeit 104) wieder stärker eingebunden werden. Der neue Prozess sieht eine Zwischenstufe vor, den sogenannten „strategischen Dialog“ (strategic dialogue), bei dem der Kandidatenkreis gegenüber der Eingangsstufe – in der sich Deutschland und die anderen offiziellen Bewerber für 2036 derzeit befinden – auf einige wenige Anwärter reduziert wird. Dieser strategische Dialog für die Spiele 2036 soll Anfang 2027 durch die IOC-Exekutive aufgenommen werden, Ende 2028 soll dann der „gezielte Dialog“ (targeted dialogue) starten, die entscheidende Abstimmung durch alle IOC-Mitglieder 2029 erfolgen.
Coventrys Vorgänger Thomas Bach hatte zuvor ein Verfahren etabliert, in dem Bewerber zunächst in einen „kontinuierlichen Dialog“ (continuous dialogue) mit dem IOC treten. Der anschließend bereits folgende gezielte Dialog wurde dann nur noch mit dem Bewerber geführt, der von der IOC-Exekutive – dem engsten Führungszirkel – auf Empfehlung der sogenannten Future Host Commission für das jeweilige Jahr ausgewählt wurde. Die Vollversammlung stimmte letztlich nur noch mit Ja oder Nein. Nach diesem Muster wurden die Spiele 2030 (Französische Alpen), 2032 (Brisbane) und 2034 (Salt Lake City) vergeben.
Über die deutsche Bewerberstadt beziehungsweise -region wird am 26. September in Baden-Baden zwischen Berlin, München und Köln/Rhein-Ruhr entschieden. Deutschland bewirbt sich um die Sommerspiele 2036, 2040 und 2044.
