Nach dem gescheiterten Investorendeal hat die Europäische Fußball-Union (Uefa) Fifa-Chef Gianni Infantino mit rechtlichen Schritten gedroht. Wie der Telegraph und die Financial Times berichteten, forderte die Uefa den Weltverbandspräsidenten auf, sämtliches Material im Kontext des Investitionsvorhabens nicht zu vernichten. Eine offizielle Bestätigung lag zunächst nicht
vor.
Der Sportdirektor des Deutschen
Fußball-Bundes (DFB) Andreas Rettig, bezeichnete das Verhältnis zu Infantino als auf Dauer
zerstört. »Das ist aus meiner Sicht ein irreparabler Vertrauensverlust –
und nicht nur zum DFB«, sagte er in einem Interview mit dem Stern. Rettig nannte als Gründe einerseits die »Art und Weise, wie diese
Entscheidung herbeigeführt wurde, Stichwort stilles Kämmerlein, und
die unlauteren Köder, die ausgeworfen wurden«. Zudem kritisierte er den
Inhalt der Vorschläge: »Daran sieht man auch, dass Herr Infantino sich mittlerweile mit
Menschen umgeben hat, die von außerhalb des Fußballs kommen.«
Rettig verwies auf die Erklärung der Uefa: »Wenn Mitglieder öffentlich erklären, dass sie
kein Vertrauen mehr in die Führung haben, ist das ein sehr deutliches
Signal«, sagte Rettig. »Aus meiner Sicht hat Herr Infantino
sehr viel Zeit, Geld und Energie in den Erhalt seines Machtapparates
investiert. Offenkundig dienten viele Entscheidungen in erster Linie
dazu, die eigene Position zu festigen.«
Wales unterstützt Wiederwahl nicht
Als erster einzelner Fußballverband entzog Wales öffentlich seine Unterstützung für die von Gianni Infantino
beabsichtigte Wiederwahl im kommenden Jahr. »Die
jüngsten Defizite in den Bereichen verantwortungsvoller
Verbandsführung, Entscheidungsprozesse, Führung, Werte,
Stakeholder-Management, Kommunikation und Urteilsvermögen haben dazu
geführt, dass Herr Infantino das
Vertrauen des FAW verloren hat, weiterhin an der Spitze des Weltfußballs
zu stehen«, zitierte Sky News in England den walisischen Fußballverband FAW.
Der Co-Gastgeber der EM im kommenden Jahr im
Vereinigten Königreich und Irland bestätige demnach »den Entzug seiner
Unterstützung für die Kandidatur von Herrn Gianni Infantino
zur Wiederwahl als Fifa-Präsident für die Amtszeit 2027 bis 2031.« Dies
habe der Verband der Fifa auch schriftlich mitgeteilt. »Das Wohl des
Fußballs nicht an erste Stelle zu setzen, ist ein Versagen, das wir
nicht akzeptieren können.«
Im kommenden Jahr stehen Wahlen an. Am 18. März 2027 möchte sich Infantino, der seit 2016 an der Spitze des Weltverbands steht, in Rabat (Marokko) auf dem 77.
Fifa-Kongress den Statuten zufolge ein letztes Mal für vier Jahre zum
Präsidenten wählen lassen.
Kommerzialisierung der Fifa
Infantino hatte Pläne vorgestellt, Anteile an den
Premium-Produkten des Weltverbandes an private Investoren zu verkaufen.
Geldgeber hätten rund 20 Prozent der Anteile an dem neu zu gründenden
Tochterunternehmen Fifa Forward Enterprise (FFE) erwerben können, dessen
Wert zunächst mit 20 Milliarden Dollar beziffert war.
Die FFE
hätte die kommerziellen Rechte an den Fifa-Wettbewerben wie der Männer-
und Frauen-WM sowie der Club-WM gebündelt. Technologieinvestor Joshua
Kushner, dessen Bruder Jared mit der Tochter von US-Präsident Donald
Trump, Ivanka, verheiratet ist, hätte über seine Investmentfirma Thrive
eine Schlüsselrolle übernehmen sollen. Auch er soll von der Uefa wegen
rechtlicher Schritte kontaktiert worden sein.
