
Noch vor einer Woche waren die Börsen rund um die Welt im Rausch der Künstlichen Intelligenz (KI), bevor dann am vergangenen Freitag den Anlegern wieder Zweifel kamen. Und ob der Kurs von SpaceX, deren Aktien am heutigen Freitag erstmals gehandelt werden, abgeht wie eine Rakete, muss abgewartet werden. Hinzu kommt der Irankrieg. Die Waffenruhe existierte im Verlauf der Woche faktisch nicht mehr. Dann ließ die x-te Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, ein Deal mit Iran sei zum Greifen nahe, die Anleger wieder Hoffnung schöpfen. Am Freitag legte der Dax deutlich zu.
Im Portfolio einfach nur auf KI zu setzen, sei sicherlich der falsche Weg, warnt auch Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, unter Anspielung auf die gerade begonnene Fußball-Weltmeisterschaft: „Eine starke Vorrunde reicht nicht für den Titel. Entscheidend ist, ob die Favoriten ihre Leistung unter Druck bestätigen können.“
Doch nur mit ETF zu diversifizieren, ist auch nicht einfach. So beträgt der Anteil von US-Aktien in MSCI World mittlerweile 70 Prozent, und der Technologiesektor ist stark repräsentiert. „Wer aus Sorge vor den hohen US‑Tech-Gewichten keinen globalen ETF kaufen möchte und auf wenige Einzeltitel ausweicht, tauscht in der Regel ein Problem gegen ein anderes. Er reduziert zwar die gefühlte Abhängigkeit von Apple, Microsoft & Co., erhöht aber das unsystematische Risiko seines Portfolios deutlich“, sagt Pascal Kielkopf, Kapitalmarktstratege bei HQ Trust.
20 bis 30 Lieblingsaktien sind keine Diversifikation
Er argumentiert, dass sich ein Portfolio aus 20 oder 30 „Lieblingsaktien“ zwar subjektiv besser kontrollieren lasse. Die Diversifikation lasse sich damit aber noch schwieriger gestalten als mit einem breit gestreuten ETF, trotz seiner US- und Tech-Unabhängigkeit. Kielkopf empfiehlt einen Minimum-Volatility-Ansatz, der das Risiko im Vergleich zum globalen Aktienmarkt spürbar reduziert.
Dabei investieren Anleger gezielt in Aktien, die sich historisch durch eine besonders geringe Volatilität auszeichnen. Diese sind relativ häufig in defensiven Sektoren wie Versorger oder Basiskonsum zu finden. Solche risikoärmeren Portfolios können nicht in jeder Marktsituation Schritt halten, erzielten über längere Zeiträume aber dennoch mindestens vergleichbare Renditen, hat der Kapitalmarktstratege auf Basis historischer Daten errechnet.
Zwar ist es seiner Ansicht nach legitim, bewusst in einem Sektor investiert zu sein, etwa weil man so eine höhere Rendite erwartet, dann müsse man das Risiko der Volatilität in Kauf nehmen. Wer aber diversifizieren will, tut dies nicht allein dadurch, möglichst viele Einzelaktien zu kaufen. „Wer 200 Technologieaktien oder ausschließlich deutsche Unternehmen kauft, hat zwar viele Titel, aber keine echte Diversifikation. Entscheidend ist die Streuung über Regionen, Branchen und Unternehmensgrößen hinweg. Erst das breite Investieren in den globalen Markt bringt den vollen Diversifikationsnutzen“, sagt Kielkopf.
HQ Trust gibt auch einen Einblick in seine Diversifikationsstrategie, die sich indes nur von wohlhabenden Anlegern zumindest in Teilen nachbauen lässt. So beträgt der Anteil von Aktien 58,15 Prozent, der von Anleihen 25,50 Prozent. Der Rest entfällt auf den Geldmarkt, Hedgefonds sowie Gold. Geographisch ist das Multi-Family-Office zu 60,17 Prozent in Nordamerika und zu 13,83 Prozent in Europa investiert. Auf die Region Pazifik entfallen 9,98 Prozent und auf Schwellenländer 16,03 Prozent des Investments in Aktien. Trotz der Dominanz von Aktien und Anleihen ist HQ Trust in beiden Anlageklassen wie auch bei US-Aktien untergewichtet. Größere Renditechancen sieht es derzeit in Schwellenländeraktien.
