
Herr Professor Höffe, alle reden von Reformen – aber „gerecht“ sollen sie sein. Was ist eine gerechte Reform aus philosophischer Sicht?
Gerechtigkeit ist für den Philosophen der Kernbegriff und die Minimalbedingung der Sozialethik. Sie ist jener Teil, deren Anerkennung die Menschen einander schulden, die sie gegebenenfalls auch einfordern dürfen. Dazu gehört selbstverständlich, Privilegien und Diskriminierungen abzubauen. Eine gerechte Reform ist zudem nicht als isoliertes Einzelstück zu beurteilen, sondern als Teil eines Gesamtpakets. Man muss dafür sorgen, dass die Reform der Wirtschaft beispielsweise nicht zur Belastung bei der Bildung, der Gesundheit oder der inneren und äußeren Sicherheit führt.
