
Wer Frankfurt sagt, denkt an Banken, Börse und Finanzdienstleistungen. Doch das greift nach Worten von Alexander Wagner zu kurz. „Die Industrie liefert die Grundlage für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit“, sagte der Geschäftsführer von Infraserv Höchst beim Sommerempfang der FDP-Stadtverordnetenfraktion am Freitagabend. Wagners Sicht ist naheliegend, schließlich ist Infraserv Betreiber eines der größten Industrieparks in Deutschland. Dieser biete hochwertige Arbeitsplätze, die Leute verdienten gutes Geld und die chemisch-pharmazeutische Industrie stehe am Beginn vieler Wertschöpfungsketten, sagte Wagner.
Die hohen Temperaturen an diesem Tag passten zum sommerlichen Charakter des Empfangs, zu dem die FDP-Fraktion im Römer in den Sauriersaal des Senckenberg Naturmuseums geladen hatte. Was nicht bedeute, dass sich die FDP als aussterbende Spezies sehe, sagte die Stadtverordnete Isabel Schnitzler zwischen den Dinosaurierskeletten. Der Ort passe vielmehr wegen des neugierigen Blicks der Wissenschaft, für den die Forschungseinrichtung stehe. Der Fraktionsvorsitzende Sebastian Papke umriss die neue Rolle der FDP, die den größten Teil der vorigen Wahlperiode Teil einer Koalition mit Grünen, SPD und Volt war. Gegenüber der neuen Mehrheit unter Führung der CDU sei man die „Opposition der Mitte“. Gute Vorschläge werde man mittragen, aber widersprechen, wo sie nicht zum eigenen „klaren Kompass“ passten.
Vom Gastredner bekamen die gut 200 Besucher nicht nur etwas über die Bedeutung der chemischen Industrie zu hören, die sich seit 100 Jahren stetig entwickelt und modernisiert und zum Beispiel ihren Energieverbrauch drastisch reduziert habe. Aber sie befinde sich derzeit in einer tiefgreifenden Standortkrise. „Alle sehen, dass der Dax läuft“, sagte der Infraserv-Geschäftsführer. Aber dahinter stünden international aufgestellte Unternehmen. „Ihr Geschäft machen sie in China und den USA.“ In Deutschland leide die Branche dagegen unter Energiepreisen, die doppelt so hoch seien wie in Amerika und beim Gas gar um den Faktor sechs teurer. In der Folge wanderten Unternehmen ab und der Kohlendioxid-Ausstoß verlagere sich in Länder, deren Anlagen weniger effizient seien.
„Wir brauchen wettbewerbsfähige Energiepreise und eine sichere Grundlastversorgung“, sagte Wagner. „Wir können nicht nach Sonnenstand und Wind produzieren.“ Dafür bekam er ebenso Beifall wie für die Forderung, dass sich Leistung wieder lohnen müsse und die Bildungsstandards angehoben werden müssten. Bei allen Widrigkeiten sei eine positive Zukunftserzählung wichtig. Mit konsequenten, stabilen Konzepten seien die Menschen auch bereit, diesen zu folgen und mehr zu leisten, sagte Wagner aus seiner Erfahrung mit den eigenen Mitarbeitern. Das müsse auch die Politik hinbekommen.
