
Die Inflation im Euroraum hat sich deutlicher als erwartet abgeschwächt. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im Juni nur noch um durchschnittlich 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das EU-Statistikamt Eurostat am Mittwoch mitteilte. Von Reuters befragte Experten hatten nur mit einem Rückgang auf 3,0 Prozent gerechnet. Im Mai war die Inflationsrate im Zuge des vom Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisschocks auf 3,2 Prozent geklettert.
Mit der Entspannung in dem Konflikt sind die Ölpreise am Weltmarkt mittlerweile jedoch wieder auf das Vorkrisenniveau gesunken. Das kam auch den Verbrauchern in Deutschland zugute, die zusätzlich mit dem Tankrabatt durch die Bundesregierung entlastet wurden. Hierzulande sank die Teuerungsrate im Juni nach der zu europäischen Vergleichszwecken berechneten Rate auf 2,4 Prozent, von 2,7 Prozent im Mai.
Die Europäische Zentralbank hatte sich im Juni mit einer Zinserhöhung gegen die steigende Inflation im Euroraum gestemmt. Die EZB verfehlt ihr Ziel einer Teuerungsrate von 2,0 Prozent derzeit klar und will eine Verfestigung der Teuerung auf hohem Niveau unbedingt vermeiden. Die Währungshüter debattieren derzeit über die Notwendigkeit eines Folgeschritts.
Nächster EZB-Entscheid am 23. Juli
EZB-Ratsmitglied Alexander Demarco aus Malta sieht dafür keine Dringlichkeit: „Angesichts der aktuellen Lage – mit Ölpreisen, die wieder etwa das Niveau von vor dem Konflikt erreicht haben – können wir es uns leisten, die nächsten Prognosen abzuwarten, anstatt zu riskieren, das Wirtschaftswachstum durch eine weitere hastige Zinserhöhung unnötig zu beeinträchtigen.“
Bundesbankchef Joachim Nagel betonte, dass er sich alle Optionen offenhält. Die EZB entscheidet am 23. Juli und danach am 10. September über den Leitzins. Auf der übernächsten Sitzung im September werden dann auch die aktualisierten Prognosen des EZB-Stabs vorgelegt.
