
Es ist noch nicht allzu lange her, da musste der Vorstandschef von Infineon, Jochen Hanebeck, seine Prognosen wegen der Flaute am Chipmarkt regelmäßig nach unten korrigieren. Inzwischen ist seine Treffsicherheit nicht besser geworden, aber es ist ihm sicherlich lieber, dass er nun seinen Ausblick für den weiteren Geschäftsverlauf von Quartal zu Quartal anheben muss. Der von ihm vor wenigen Monaten angekündigte „breite Aufschwung“ prägt schon die Ergebnisse im dritten Quartal. Da kann es Hanebeck egal sein, wenn die Börse wegen der Ertragskraft enttäuscht reagiert und den Aktienkurs um fünf Prozent nach unten drückt.
Noch immer ist die Infineon-Aktie der Spitzenreiter im Dax mit einem Kursplus von 60 Prozent seit Jahresanfang. Die Investoren haben schon viel vorweggenommen, insbesondere das rasant wachsende Geschäft mit den Leistungschips für Rechenzentren der Künstlichen Intelligenz (KI). Die sind sehr energiehungrig und erhalten von Infineon effiziente Stromversorgungslösungen, mit denen die Rechenzentren den Energiebedarf effizienter gestalten können. Das ist ein Wachstumsmarkt und Infineon spielt mit seinen KI-Leistungschips an der vordersten Front mit.
Günstige Aussichten
Zu den Marktführern zählt Infineon auch bei den Halbleitern für softwaredefinierte Autos. Im gemessen am Umsatz wichtigsten Geschäftsfeld von Infineon zieht das Geschäft wieder an, nachdem es in den vergangenen Jahren eher zäh lief. Kein Wunder, wenn Hanebecks Zuversicht von Quartal zu Quartal zunimmt. Denn die Aussichten stellen sich für Infineon derzeit sehr günstig dar. Das gilt vor allem für das Geschäft mit den KI-Rechenzentren. Hier gibt es bereits Reservierungskapazitäten, für die Kunden Vorauszahlungen leisten.
Dadurch wird das Geschäft planbarer, auch was die Produktionskapazitäten betrifft. Schon jetzt ist sich Hanebeck sicher, dass er die Umsatzprognose für KI-Chips im November deutlich nach oben anpassen muss. Bislang ging er für das Geschäftsjahr 2026/27 (per 30. September) von 2,5 Milliarden Euro nach 1,6 Milliarden Euro 2025/26 aus. Wie viel es werden, bleibt vorerst noch offen. Für Infineon und die Investoren ist es aber erfreulich, wenn die Prognosen angehoben und nicht gekürzt werden müssen. Es bleibt Hanebeck zu wünschen, dass er im November keinen Übermut einräumen muss. Das ist auch nicht zu erwarten – dem KI-Turbo sei Dank!
