Tausende Anhänger der sogenannten »Kakerlaken«-Bewegung haben sich zu Protesten in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi versammelt. Sie planen, zum Parlament zu marschieren und den Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan zu fordern. Rund um den abgesperrten Protestort Jantar Mantar im Zentrum der Hauptstadt waren zahlreiche Polizisten im Einsatz.
Die »Cockroach Janta Party« entstand im Mai als Reaktion auf Äußerungen des Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofs Indiens, der arbeitslose junge Menschen als »Kakerlaken« bezeichnet hatte. Besonders junge Menschen griffen die Bemerkung auf und machten daraus eine Protestbewegung, der sich in den sozialen Medien Millionen Menschen angeschlossen haben. Die CJP beschreibt sich als »satirische
politische Bewegung«. Sie organisiert sich vor allem im Internet, eine
Parteizentrale gibt es nicht.
Nun rief sie auch zu Straßenprotesten in
Neu-Delhi und anderen Städten auf. Die Teilnehmer fordern unter anderem
vom aktuellen Bildungsminister, dass er die Verantwortung in einem
Skandal um mutmaßlich vorher geleakte Aufnahmeprüfungen von Hochschulen übernimmt.
Aktivist im Hungerstreik festgenommen
In Neu-Delhi hat sich die Bewegung in einem Protestcamp auf dem
Jantar-Mantar-Gelände organisiert. Hier kommen täglich rund 1.000 Demonstrierende
zum Sitzstreik zusammen. Führende Politiker der Regierung von Premierminister Narendra Modi haben die CJP weitgehend als nicht ernst zu nehmend abgetan. Der Bildungsminister Pradhan warf der Bewegung vor, gegen das eigene Land zu arbeiten.
Einige Aktivisten sind in den Hungerstreik getreten. »Das hier ist ein friedlicher
Weg, um der Regierung unsere Stimme zu Gehör zu bringen«, sagte der bekannte indische Ingenieur und Aktivist, Sonam Wangchu, der Medienberichten zufolge nach seinem Hungerstreik gewaltsam von der Polizei in ein Krankenhaus gebracht worden war. Die Anklage seiner Frau wegen »illegaler Festnahme« des 59-Jährigen wurde von einem indischen Gericht abgewiesen.
