Die nach Börsenwert größte Bank Europas hat aufgrund eines starken Asiengeschäfts die Erwartungen dieses Jahr übertroffen. Im ersten Halbjahr verbuchte sie einen Gewinn von 19,5 Milliarden Dollar (17 Milliarden Euro), 23 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie die HSBC am Dienstag in London mitteilte. Im zweiten Quartal gelang der britischen Bank mit asiatischen Wurzeln gar ein Gewinnsprung um 60 Prozent auf 10,1 Milliarden Dollar, getrieben vor allem durch starke Ergebnisse in der Handelsfinanzierung, Vermögensverwaltung sowie Versicherungsgeschäften in Hongkong.
Vorstandschef Georges Elhedery sagte: „HSBC wird die stärkere Bank, die wir bauen wollen.“ Nach einer Pause von drei Quartalen beginnt sie das Aktienrückkaufprogramm wieder und will für eine Milliarde Dollar eigene Papiere zurückkaufen. Einige Analysten hatten noch höhere Gewinne prognostiziert, daher sank der Kurs am Dienstag. Seit Jahresbeginn haben Anleger mit dem HSBC-Papier aber fast 32 Prozent Kursplus erzielt. Damit war die HSBC einer der stärksten Titel in London. Mit einer Bewertung von aktuell fast 273 Milliarden Pfund (rund 320 Milliarden Euro) ist sie mit Abstand das wertvollste Unternehmen an der Börse London.
Im „zweiten Heimatmarkt“ Hongkong, wo die Bank vor 161 Jahren gegründet wurde, baut sie systematisch ihre Stellung aus. Hongkong bleibe das Herzstück des Wachstums in Asien, betonte Elhedery. Allein in den ersten sechs Monaten 2026 gewannen HSBC und ihre lokale Tochterbank Hang Seng mehr als 640.000 neue Kunden in Hongkong. Seit Anfang 2023 hat das Privatkunden- und Vermögensverwaltungsgeschäft dort 40 Prozent Kunden dazugewonnen. Auch im Einlagen- und Kreditgeschäft verdient HSBC gut. Für dieses prognostiziert sie einen Zinsüberschuss von mehr als 46 Milliarden Euro.
Der Vorsteuergewinn im zweiten Quartal wurde indes durch Abschreibungen in China sowie Restrukturierungskosten von 500 Millionen Dollar geschmälert. Die Restrukturierung ist Teil von Elhederys Plan, die Bank schlanker aufzustellen. Dabei mache er Fortschritte, betonte der seit zwei Jahren amtierende HSBC-Vorstandschef. Die Vereinfachung der Konzernstrukturen würde zwei Milliarden Dollar Kostenersparnis einbringen. HSBC hat kürzlich den Verkauf von Geschäftsbereichen in Singapur und Ägypten angekündigt. Im Rahmen der Umstrukturierung trennte sie sich zuvor schon von Teilen des Investmentbanking-Geschäfts in Großbritannien, Europa und den USA.

Barclays mit 17 Prozent mehr Gewinn
Auch andere britische Banken haben im ersten Halbjahr glänzend verdient. Barclays hat einen Anstieg des Vorsteuergewinns um 17 Prozent auf 6,1 Milliarden Pfund gemeldet, im zweiten Quartal sprang der Gewinn um fast ein Drittel. Die starke Entwicklung wurde vor allem durch die Bereiche Investmentbanking, Aktienhandel und Transaktionen für Fusionen und Übernahmen getrieben. Lloyds Banking Group übertraf mit einem Vorsteuergewinn von 4,3 Milliarden Pfund – einem Anstieg um 23 Prozent – die Erwartungen der Analysten. Zugleich gab Vorstandschef Charlie Nunn ein Kostensparprogramm durch den vermehrten Einsatz von Künstlicher Intelligenz bekannt. Damit sollen zwei Milliarden Pfund jährliche Kosten reduziert werden.
Der britische Gewerkschaftsbund TUC forderte angesichts der Gewinne der Banken eine höhere Besteuerung. Im ersten Halbjahr hätten die vier großen Banken – neben HSBC, Barclays und Lloyds auch noch NatWest – insgesamt 29 Milliarden Pfund Vorsteuergewinn erzielt. TUC-Generalsekretär Paul Nowak sagte am Dienstag, es gebe „Berge von Belegen“ dafür, dass die Banken mehr Steuern zahlen könnten. Der neue Premierminister Andy Burnham steht vonseiten des linken Labour-Flügels seit Wochen unter Druck, den Finanzinstituten höhere Abgaben aufzuerlegen.
