Ich bin gerade aus dem Urlaub in der Provence zurückgekommen. Als ich das erste Mal wieder hier einkaufen ging und feststellen musste, dass die Auswahl in der Obst- und Gemüseabteilung nicht mit südfranzösischen Märkten mithalten kann, war ich etwas ernüchtert. Da waren sie wieder, die nach-urlaublichen Eskapismus- und Auswandergedanken! Ich merke dann immer, welchen Stellenwert gutes Essen in unterschiedlichen Kulturen hat und wie sich das auf Angebot, Nachfrage und politische Entscheidungen auswirkt. Mitten in dieser Ernüchterung habe ich mich dann umso mehr über die Zutaten gefreut, die es bei den Franzosen weniger gibt: Rhabarber und Spargel.
Auf dem Spaziergang vom Supermarkt nach Hause habe ich mich vom Duft leiten lassen, den die Stadt gerade verströmt, und ein paar Holunderblüten in den Einkaufsbeutel wandern lassen – dort haben sie sich sofort wunderbar mit den darin bereits befindlichen Erdbeeren zusammengefügt. In meinem Kopf entstand ein Gericht: Holunderblütenpfannkuchen mit Erdbeeren.
Das ist es auch geworden. Bei Holunderblüten denke ich an Sirup oder frittierte Blüten, beides ist mir zu süß oder zu fettig. Ich wollte die pure Holunderblüte und ihr
florales Aroma ins Frühstück bringen und habe mir daher diese
Pfannkuchen überlegt. Spoiler: Bis zum Frühstück haben sie es nicht geschafft, weil sie am Nachmittag
nach dem Fotografieren schon verputzt waren. Der Duft in der Küche war
einfach unwiderstehlich. Die Pfannkuchen selbst habe ich mit wenig Mehl
und Ricotta zubereitet, weil sie dadurch luftiger bleiben, fast wie Kuchen. Dazu gab es die Erdbeeren, mariniert in ein wenig Olivenöl und den Holunderblüten, die dem Gericht die nötige Süße geben.
Weil ich die hübschen Blüten erhalten wollte, habe ich gleich mehrere Zubereitungsarten getestet. Erstens: beide Seiten anbraten. Zweitens: nur eine Seite bei niedriger Hitze braten und die Oberseite mit Deckel dämpfen. Und drittens: die Blüten ohne Stängel in den Teig geben.
Gelernt habe ich: Beim
Wenden gehen die Blüten kaputt und die Stängel bleiben zäh, egal, wie lange man brät. Wenn einen die Stängel nicht stören, funktioniert am besten die Deckel-Methode bei niedriger Hitze, aber ich würde die letzte
Methode empfehlen und die Blüten vorher abstreifen. Einfach mit den Fingern über die Dolde fahren, dann fallen die Blütchen ab und man kann sie vorsichtig unter den Teig rühren.
Holunderblütenpfannkuchen mit Ricotta
Die Holunderblüten waschen, abtropfen und mit den Fingern vom Stängel abstreifen.
Ricotta, Milch und Eier glatt rühren.
Mehl, Backpulver, Vanillezucker und Salz untermischen. Olivenöl,
Zitronenabrieb und -saft dazugeben und alles zu einem glatten,
dickflüssigen Teig verrühren. Holunderblüten unterheben. Kurz ruhen
lassen.
In der Zwischenzeit die Erdbeeren halbieren (oder vierteln) und mit Olivenöl und einem Spritzer Zitronensaft mischen. Beiseitestellen.
Etwas Öl in einer Pfanne bei mittlerer Hitze erhitzen. Pro Pfannkuchen etwa 2 EL Teig in die Pfanne geben. Deckel auflegen und bei niedriger Hitze braten, bis die Oberseite gestockt ist, das dauert etwa 3 bis 4 Minuten. Nicht wenden, so bleiben die Blüten besser erhalten.
Pfannkuchen auf Teller geben und die marinierten Erdbeeren darüber verteilen.
