Der persönliche Nachlass der Sängerin, Aktivistin und Holocaust-Überlebenden Esther Bejarano ist aufgearbeitet und ist nun öffentlich zugänglich. Die Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH) hatte den Nachlass im März 2023 auf Wunsch der Familie Bejarano übernommen und will das Projekt nun am Donnerstag (18.30 Uhr) im Rahmen der Vorlesungsreihe «Geschichte wird gemacht – Zeitgeschichtliche Projekte aus Hamburg» vorstellen, wie die Kulturbehörde mitteilte. Die Stadt hatte die Erschließung des Bestands mit 40.000 Euro gefördert.
Bejarano war 2021 im Alter von 96 Jahren gestorben
Esther Bejarano war Überlebende der Schoah, Sängerin, Zeitzeugin, Aktivistin, langjährige Vorsitzende des Auschwitz-Komitees in der Bundesrepublik Deutschland und Ehrenpräsidentin der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA). Bis zu ihrem Tod 2021 im Alter von 96 Jahren in Hamburg engagierte sie sich gegen das Vergessen des Nationalsozialismus sowie allgemein gegen Intoleranz und Diskriminierung. Sie galt weit über die Hansestadt hinaus als eine der eindringlichsten Stimmen gegen das Vergessen und gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus.
Der Nachlass umfasst unter anderem amtliche Dokumente, private Korrespondenzen, Kalender, Auszeichnungen, Materialien aus dem Auschwitz-Komitee und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Programme, Plakate, Fotos, Ton- und Filmmaterial, Noten und Liedtexte, wie die Behörde mitteilte. Die Dokumente waren zunächst in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme zwischengelagert.
Brosda: Sicherung angesichts antisemitischer Tendenzen wichtig
«Mit der Erschließung des Nachlasses von Esther Bejarano wird auch ein wichtiger Bestand der Hamburger Erinnerungskultur dauerhaft gesichert und öffentlich zugänglich gemacht», erklärte Kultursenator Carsten Brosda (SPD). Bejaranos Wirken bleibe damit auch für Forschung, Bildung und künftige Generationen erhalten. «Die Sicherung und öffentliche Zugänglichmachung solcher Zeugnisse ist gerade in einer Zeit wachsender geschichtsrevisionistischer und antisemitischer Tendenzen von besonderer Bedeutung.»
«Der Nachlass von Esther Bejarano bereichert unser Archiv mit wertvollen Unterlagen zur Lebensgeschichte einer mutigen Frau und streitbaren Zeitzeugin», erklärte die kommissarische FZH-Direktorin Kirsten Heinsohn. Bereits seit mehr als 20 Jahren gebe es lebensgeschichtliche Interviews mit ihr in der FZH-Werkstatt der Erinnerung. «Ich freue mich, dass nun auch der persönliche Nachlass der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung steht.»
© dpa-infocom, dpa:260527-930-136034/1
