Sachsen-Anhalts früherer CDU-Chef und Innenminister Holger Stahlknecht hat dem amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze aufgrund der Wahlergebnisse einen Rücktritt nahegelegt. »Wer Spitzenkandidat ist, wird am Wahlabend zum Spitzengewinner oder zum Spitzenverlierer«, sagte Stahlknecht der ZEIT. »Wer eine solche Wahlniederlage eingefahren hat wie jetzt die CDU, die meines Erachtens historisch ist, muss über seine persönlichen Konsequenzen sehr genau selber nachdenken.«
Zudem meinte Stahlknecht, dass die Strategie der Ausgrenzung der AfD an ihr Ende gekommen sei. »Ich bin mir sicher, dass man die AfD nicht weiter ausgrenzen kann wie bisher. Dies hat dieses Wahlergebnis gezeigt.« Mit einer »demokratisch mit einem solchen Ergebnis gewählten Partei muss über Dinge geredet werden können. Es ist herauszufinden, wo es gute, konsensuale Vorschläge gibt.«
»Es geht nicht mehr um eine Brandmauer«
»Ich sage es deutlich: Ich bin nicht für eine Koalition mit der AfD, aber dafür, dass man sich gute Vorschläge – ähnlich wie von allen andern in den Landtag gewählten Parteien – anhört. Am Ende geht es um das Land und die Menschen. Wer dies nicht begreift, dient nicht mehr dem Land und den Menschen und macht am Ende das Land kaputt«, sagte Stahlknecht weiter. »Es geht nicht mehr um eine Brandmauer und so ein Gedöns, sondern darum, dass dieses Land stabil regiert werden kann.«
Auf die Frage, ob er selbst bereitstünde, wenn seine Partei ihn rufe, sagte Stahlknecht: »Ich bin im Urlaub und hab eine schöne Anwaltskanzlei, in die meine beiden Söhne eintreten möchten.«
Holger Stahlknecht galt als Hoffnungsträger der CDU in Sachsen-Anhalt. 2020 entließ der damalige Ministerpräsident Reiner Haseloff ihn nach einem Streit um den Umgang mit der AfD. Stahlknecht hatte damals öffentlich über eine CDU-Minderheitsregierung nachgedacht.
