
Der Start in das neue Schuljahr hat mit hohen Temperaturen begonnen. Deshalb fordern die Grünen im Deutschen Bundestag einen nationalen Hitzeschutzplan. Für Schulen und Kitas soll umfassend in den Hitzeschutz investiert werden. „Dazu gehören verschattete und begrünte Pausenhöfe, geeignete Lüftungs- und Kühlsysteme sowie ausreichend hitzegeschützte Aufenthaltsräume“, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Misbah Khan, der Deutschen Presse-Agentur am Freitag.
Khan zufolge sind Schulen und Kitas für die in der Klimakrise zunehmende extreme Hitze vielerorts nicht ausgelegt. „Die Belastungen für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte sind enorm und machen konzentrierten und guten Unterricht teilweise unmöglich.“ In der ersten Woche nach den Sommerferien habe es in Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland so hohe Temperaturen gegeben, dass es noch vor wenigen Jahren vielerorts Hitzefrei gegeben hätte, so die Grünen-Politikerin weiter. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass solche Extremwetterlagen häufiger und länger auftreten.“
Konzentrationsfähigkeit sinkt bei einer Raumtemperatur von 26 Grad
Der Kinderarzt Christof Wettach erklärt auf F.A.Z.-Anfrage, dass das Gehirn am besten bei Raumtemperaturen zwischen 20 und 23 Grad arbeite. Bei diesen Temperaturen könne das Herz „gemütlich schlagen“, die Atmung sei ruhig und der Stoffwechsel langsam. „Wir können uns aufs Denken konzentrieren. Steigen die Temperaturen, gibt es Stress im Körper. Es wird mehr Energie verbraucht durch schnelleren Stoffwechsel, schnellere Atmung und auch das Herz schlägt schneller.“ Bereits ab 26 Grad würden die Schulleistungen deutlich schlechter, wie etwa Klassenarbeiten. „Die verminderte Konzentration sorgt zudem auch für mehr Unfälle auf Schulwegen und im Sport“, sagt Wettach, der außerdem Co-Leiter der Arbeitsgruppe Pädiatrie bei der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) ist.
Aus diesen Gründen verlangt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen, Kinder und Beschäftigte besser zu schützen. Die vergangenen Monate hätten deutlich gemacht, dass die hessischen Kitas, Schulen und Hochschulen besser auf zukünftige Hitzewellen vorbereitet werden müssen, teilte der Vorsitzende der GEW Hessen, Thilo Hartmann, in einer Stellungnahme mit. „Wir fordern daher die Landesregierung auf, für einen wirksamen Hitzeschutz in allen Bildungseinrichtungen zu sorgen. Die Kommunen als Schul- und Kitaträger sowie die freien Träger und die einzelnen Hochschulen müssen dabei konzeptionell und vor allem auch finanziell vom Land unterstützt werden.“
Klimatisierte Schulräume für Prüfungen
Nun seien schnell wirksame Maßnahmen erforderlich: „Mobile Klimageräte und Jalousien an Fensterfronten können bereits für etwas erträglichere Temperaturen in Kitas, Klassenräumen und Hörsälen sorgen.“ Des Weiteren könnten diese Maßnahmen „nur der erste Schritt hin zu klimaresilienten Bildungseinrichtungen sein“, betonte Hartmann.
Laut dem Fachmann Wettach ist es kurzfristig nicht möglich und auch gar nicht nötig, alle Klassenzimmer mit Klimaanlagen auszustatten. Es wäre notwendig, die „heißen“ und „kühlen“ Orte der Schule ausfindig zu machen und zu schauen, welche der „heißen Zimmer“ man wirklich benötige. Kurzfristig wären ein paar klimatisierte Räume denkbar, die für Klassenarbeiten oder Prüfungen für die Mittlere Reife oder das Abitur genutzt werden können. Hiervon würden Schüler und Lehrer bereits im kommenden Sommer profitieren, glaubt Wettach.
Für den Kinderarzt ist klar: „Hitzeschutz in Kitas und Schulen ist ein Muss. Hitzeschutz kostet Geld, kein Hitzeschutz allerdings kostet Leben.“ Dabei weist Wettich auf die Schätzungen des Robert-Koch-Institus hin, wonach die extreme Hitze diesen Sommer zu rund 12.000 Toten in Deutschland geführt hat. Das solle uns eine Warnung sein, sagt Christof Wettach, der eine Praxis in Baden-Württemberg betreibt.
Hier höre er die Sorgen von Eltern und Schülern. Diese seien groß und vielfältig: ob Schulsportereignisse, Leichtathletiknoten an heißen Tagen, Klassenarbeiten in heißen Klassenzimmern, die den Notenschnitt „verderben“, oder die Frage, wie sie einen Sonnenstich oder Hitzschlag erkennen. Diese Ängste müsse die Politik ernstnehmen: „Hitzeschutz ist Gesundheitsschutz und dieser muss eingefordert werden, auch für Kinder, die leider keine Lobby haben.“
