
Im Grunde wünscht sich doch jeder, dass ihm von anderen Menschen Vertrauen entgegengebracht wird. In dieser Hinsicht dürfen sich die Hofheimer nicht beschweren, denn die Stadt setzt geradezu enormes Gottvertrauen in sie. Gerade erst verkündete Bürgermeister Wilhelm Schultze (BfH), er sei sich sicher, dass in den meisten seiner Bürger kein Drang zum Hilfspolizisten schlummere, der nur darauf warte, durch den neuen Mängelmelder geweckt zu werden.
Nötig war das, weil es eine Änderung fortan erlaubt, Falschparker per App bei der Stadt zu melden. Dann schlugen die Wogen hoch, nachdem eine lokale Website „ein ganz heißes Thema“ witterte und den Begriff „Blockwart-Mentalität“ in die eher einseitig geführte Debatte brachte. Das ließ Schultze nicht auf sich und den Hofheimern sitzen. „Ich bin mir sicher, dass sich auch in Zukunft die wenigsten von uns zum Hilfspolizisten aufschwingen werden“, ließ er ausrichten.
Das Vertrauen in die Bürger wird aber noch in weiterer Hinsicht auf die Probe gestellt. Weil die Stadt unter notorischem Geldmangel leidet, spart sie an allen Ecken und Enden. Auch da, wo es fast schon kurios anmutet. Bislang standen im Hofheimer Wald 34 Mülleimer, in die Spaziergänger ihre Taschentücher, Wasserflaschen und Bonbonpapiere entsorgen können und die natürlich regelmäßig geleert wurden. Diese Dienstleistung, so rechnet der Erste Stadtrat Daniel Philipp (Die Grünen) vor, habe zwischen April und Dezember vergangenen Jahres rund 15.700 Euro gekostet.
Ein Luxus, den sich die Stadt nicht mehr leisten kann. Von den 34 Mülleimern sollen nur noch acht stehen bleiben, der Rest ist abgebaut worden. Beschränke man sich auf die acht Eimer, komme man aufs Jahr gerechnet auf eine Ersparnis von etwa 17.100 Euro, so der Stadtrat. Außerdem verteile sich der Müll oft aus den Eimern im Wald. Nun steht es zu hoffen, dass es nicht künftig achtlose Mitmenschen sein werden, die den Müll im Wald verteilen, weil sie die Belastung, die es mit sich bringt, den Müll wieder mit nach Hause zu nehmen, nicht zu tragen gewillt sind. Oft kommt es laut Forstamt überdies vor, dass Menschen ihren Hausmüll in die Eimer entsorgten und damit Tiere anlockten.
Immerhin bleiben die Pfosten stehen, an denen die Mülleimer befestigt waren. Sollten die Hofheimer Spaziergänger das in sie gesetzte Vertrauen nicht einlösen können, kann der Urzustand schnell wieder hergestellt werden. Besonders drastische Fälle von wild entsorgtem Müll, Gartenabfällen oder Erdaushub können an die Stadt weitergeleitet werden. Dafür gibt es schließlich den allseits beliebten Mängelmelder – von sofort an auch mit Falschparker-Option.
