Einen Spielplatz in mehr als 20 Meter Höhe würde man nicht erwarten. Im Hochhausquartier Four in der Frankfurter Innenstadt gehört das Angebot aber zum Konzept. Auf dem Dach des Podiumsgebäudes, aus dem vier Türme in die Höhe ragen, ist eine Terrasse entstanden, die nicht nur den Mietern zur Verfügung steht, sondern die auf Wunsch der Stadt zum Teil auch öffentlich zugänglich ist. Noch wird daran gebaut, aber Familien mit Kindern können sich bereits auf die rote, runde Netzliege freuen, die zwischen begrünten Beeten auf gelb gestrichenem Boden schon jetzt einen leuchtenden Kontrapunkt zu den grauen Hochhausfassaden bildet.
Es ist ein besonderer Ort, von dem aus man über die Dächer der Innenstadt blickt. Drei Türme stehen in einer Reihe, wobei der Dom aus dieser Perspektive nicht nur die Paulskirche überragt, sondern auch höher erscheint als die Europäische Zentralbank in der Ferne. Ein Stück weit in Richtung Norden ist die Dachfläche zu erkennen, die künftig als Außenbereich einer Kita genutzt wird.
„Wir bieten eine öffentliche Zugänglichkeit auf verschiedenen Ebenen“, sagt Nikolaus Bieber, geschäftsführender Gesellschafter beim Projektentwickler Groß & Partner. „So etwas gibt es an keiner anderen Stelle in Europa.“ Das Frankfurter Unternehmen realisiert das Milliardenprojekt seit zehn Jahren. Nach dem ursprünglichen Zeitplan hätten die Arbeiten längst beendet sein wollen. Beim Baubeginn vor sechs Jahren wurde die Fertigstellung für 2023/24 angekündigt. „Es gab Verzögerungen, weil Baumaterial nicht immer verfügbar war“, sagt Bieber.
Nur in einem Turm wird noch gebaut
Der 179 Meter hohe Turm T2, dem Groß & Partner den Namen „Rizon“ gegeben hat, ist der einzige des Hochhausensembles, in dem noch gebaut wird. In der sechsten Etage werden zwei exklusive Restaurants mit Außenterrasse und Anschluss an den öffentlichen Dachgarten einziehen. Mehrere Etagen wird von Herbst 2027 an ein Hotel der Marke Radisson Collection belegen. Schon in wenigen Wochen eröffnet in dem Brückenbau, der zwischen zwei Türmen das große Eingangstor zum Quartier überspannt, ein Fitnessstudio. Der Edeka-Markt im Sockelgebäude ist schon seit vergangenem Herbst in Betrieb. Es ist eine „vertikale Stadt“ entstanden.

Die Balkone an der Fassade zeigen aber auch, dass in dem Turm Wohnungen entstehen. Wer genau hinsieht, kann in den unteren Geschossen die eine oder andere Pflanze entdecken. Es sind bereits die ersten Mieter eingezogen, und zwar in die geförderten Wohnungen. 78 der 359 Wohnungen haben einen eigenen Eingang und werden dank öffentlicher Zuschüsse zu günstigen Preisen vermietet. 39 sind klassische Sozialwohnungen mit Einstiegsmieten von 5,50 Euro, weitere 39 wurden nach dem Mittelstandsprogramm gefördert, in dem die Mieten bei 8,50 Euro beginnen. Hinzu kommen allerdings die Nebenkosten, die in einem Hochhaus über dem Durchschnitt liegen. Dennoch wird man nirgendwo günstiger in einem modernen Hochhaus wohnen können. Laut Groß & Partner sind 60 Prozent der geförderten Wohnungen vermietet.
Die soziale Durchmischung ist eine der Besonderheiten des T3, der zwar nicht ganz so hoch ist wie der Grand Tower im Europaviertel, aber im 46. Stock die nach Darstellung von Groß & Partner höchste Wohnetage Deutschlands bietet. Für diese und andere Einheiten im oberen Teil des Turms muss man tief in die Tasche greifen. Entgegen der ursprünglichen Planung gibt es nicht nur Mietwohnungen. „Wir werden einen Teil der Wohnungen als Eigentumswohnungen verkaufen“, sagt Bieber. „Hochhäuser, in denen es ausschließlich Mietwohnungen gibt, sind aus wirtschaftlichen Gründen nicht darstellbar.“ Die Finanzierung des T2 war herausfordernd, erst Anfang des Jahres hatte Groß & Partner ein tragfähiges Konzept verkündet, mit dem die Fertigstellung gewährleistet werden konnte. Daran beteiligt ist nach Angaben des Entwicklers ein „international agierender Finanzierungspartner“.
„Panorama-Residenz“ für mehr als drei Millionen Euro
Die Vermarktung läuft über eine Tochtergesellschaft von Groß & Partner. Für die Eigentumswohnungen im T2 beginnen die Kaufpreise bei 17.000 Euro je Quadratmeter. Nach oben hin wird es teurer, für eine 135 Quadratmeter große „Panorama-Residenz“ muss man mehr als 3,2 Millionen Euro investieren. Möglich sind Grundrisse von bis zu 400 Quadratmeter; dort ist dann auch Platz für ein privates Fitnessstudio. Rechnet man die Kaufpreise in Monatsmieten um, ist man selbst bei moderater Rendite schnell bei mehr als 50 Euro je Quadratmeter.

Für den Preis gibt es exklusive Ausblicke. Bieber führt in eine Wohnung auf der Südseite der 41. Etage im Turm T2. Noch präsentiert sie sich im Rohbau-Zustand, die Panoramafenster sind zum Teil mit Folie verdeckt. Es lässt sich aber bereits erahnen, welchen Blick über das halbe Stadtgebiet die künftigen Bewohner haben werden. Im Frühjahr nächsten Jahres soll der Ausbau der Wohnungen abgeschlossen sein.
Von der Nordseite des Turms blickt man hinab auf den zentralen Platz zwischen den vier Hochhäusern. Aus mehr als 150 Meter Höhe wirken die Menschen, die den Platz schnellen Schritts überqueren, ein wenig wie Ameisen. Einen Anlass, sich dort länger aufzuhalten, gibt es nicht. Damit im Fall der Fälle die Feuerwehr anrücken kann, dürfen dort weder Bäume noch Sitzmöbel stehen. Wer sich setzen will, findet dazu Gelegenheit unter Bäumen an der Großen Gallusstraße oder vor der neu eröffneten Kaffeebar an der Passage zur Junghofstraße. Dort herrscht bereits reger Betrieb, für die noch leer stehenden Einzelhandelsflächen gibt es Interessenten. „Wir haben das Areal geöffnet“, sagt Bieber. „Hier kam man früher nicht durch.“ Das Quartier tue der Innenstadt gut, es handle sich um ein verbindendes Element.

Noch mehr Frequenz soll spätestens Anfang nächsten Jahres das gastronomische Herzstück des Quartiers bringen, der Distrikt Marquet. Dort, wo sich einst der Hermann-Josef-Abs-Saal der Deutschen Bank befand, wird es künftig internationale Imbissangebote aus verschiedenen Ländern geben. Daneben wird es einen Weinshop, eine Kochschule sowie Restaurants mit Konzepten renommierter Köche geben. Martin Weghofer, Sternekoch aus dem Frankfurter Maintower, wird ebenso vertreten sein wie eine Brasserie des schwedischen Küchenchefs Björn Frantzén, der als einziger Koch weltweit drei mit jeweils drei Sternen ausgezeichnete Restaurants betreibt. „So etwas wie hier gibt es sonst nicht in Frankfurt“, sagt Bieber. Derzeit läuft der Innenausbau.
Vom Distrikt Marquet gelangt man in den denkmalgeschützten Bauteil an der Junghofstraße. Fassade, Eingang und Treppenhaus sehen heute wieder genauso aus wie in dem in den Fünfzigerjahren errichteten Gebäude der Deutschen Bank, das sich an dieser Stelle befand. Die Originalbauteile wurden ausgelagert und wieder eingebaut. Und so ahnt man zumindest an dieser Stelle nicht, dass man sich im modernsten Quartier Frankfurts befindet.
